Tokio (JAPANMARKT/nd) – Japans schönstes Archipel Okinawa bleibt eine Quelle steten Ärgers für die Zentralregierung in Tokio und belastet erneut die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Denn kaum hatte der Gouverneur von Okinawa der Verlegung einer US-Militärbasis innerhalb der Hauptinsel zugestimmt, bestätigten die lokalen Wähler einen wichtigen Gegner dieses Umzugs in seinem Amt. Damit dürfte sich das Projekt, das seit 18 Jahren seiner Verwirklichung harrt, weiter verzögern.

Okinawa bleibt Brennpunkt

Susumu Inamine ist Bürgermeister der beschaulichen Kleinstadt Nago im Osten der Insel Okinawa. Dorthin soll der US-Stützpunkt aus dem dicht besiedelten Stadtgebiet von Futenma verlegt werden. Doch der 68-Jährige will die notwendigen Genehmigungen für die Landgewinnung vor der Küste nicht erteilen. Nun wurde Inamine von den lokalen Wählern gegen einen Kandidaten, der von den regierenden Liberaldemokraten unterstützt wurde, mit deutlicher Mehrheit im Amt bestätigt.

Der Umzug der Basis ist seit zwei Jahrzehnten auf Okinawa umstritten. Dort lebt nur 1 Prozent der japanischen Bevölkerung, aber 70 Prozent der US-amerikanischen Truppen in Japan sind dort stationiert. Es handelt sich um 34 Anlagen mit 28.000 Soldaten. Die Vergewaltigung mehrerer Bewohnerinnen durch US-Soldaten, die hohe Arbeitslosigkeit und die Erinnerungen an blutige Weltkriegsschlachten belasten das Verhältnis zu den US-Soldaten. Die Mehrheit der Bewohner verlangt daher eine Verlegung der Basis Futenma an einen Ort außerhalb von Okinawa.

Bewohner gegen Camp-Ausbau

Im Jahr 2006 einigten sich Tokio und Washington auf den Abzug von 8.000 Marine-Soldaten nach Guam und die Verlegung des Futenma-Flughafens auf das abgelegene US-Camp Schwab bei der Kleinstadt Nago. Innerhalb des dort bestehenden US-Stützpunktes soll eine V-förmige neue Start- und Landebahn entstehen, die in das Meer hineingebaut werden soll. Dort leben seltene Meerestiere wie die Dugong-Seekühe (siehe Bild).

Zwar würde Okinawa dabei 1.500 Hektar Land im Zentrum von Futenma gewinnen, immerhin knapp zehn Prozent der vom US-Militär in Japan benutzten Fläche. Doch nach der Bürgermeisterwahl steht die Zentralregierung vor dem Problem, den Neubau der Start- und Landebahn bei Nago durchzusetzen.

2010 war Premierminister Yukio Hatoyama über diesen Streitpunkt gestürzt. Ohne Not hatte er die Büchse der Pandora geöffnet und die Verlegung der Basis außerhalb von Okinawa versprochen, fand dabei jedoch bei den Vereinigten Staaten keine Zustimmung. Nun muss Premierminister Shinzo Abe den gordischen Knoten durchschlagen.

Foto: Protest in Henoko (flickr/Adelasia Grandone)