Tokio (JAPANMARKT/nd) – Die Jagd auf Delfine im westjapanischen Walfangort Taiji hat prominente Tierliebhaber empört. Caroline Kennedy, die neue US-Botschafterin in Japan, kritisierte das Abschlachten von Dutzenden Tieren genauso wie die japanische Künstlerin und Witwe von John Lennon, Yoko Ono. Dagegen verteidigten der Bürgermeister von Taiji, Kazutaka Sangen, und Regierungssprecher Yoshihide Suga die Delfin-Tötungen als „traditionellen, legalen Fischfang“. Doch der Verzehr von Delfinen kommt im Westen ähnlich schlecht an wie der Genuss von Hunden in Korea oder China. Der Imageschaden ist nicht zu unterschätzen.

Versteckte Tötungen

Die Jagd auf die Säugetiere sei legal, betonte Regierungssprecher Suga in Tokio. Der Delfin-Fang sei eine Form des traditionellen Fischfangs in seinem Land. Zwischen September und März machen die Fischer von Taiji Jagd auf Hunderte von Delfinen und drängen sie mit Hilfe von Unterwasser-Geräuschen und Netzen in eine Bucht. Dort werden einige Tiere zum Verkauf an Delfinarien ausgewählt. Dutzende anderer Delfine werden geschlachtet und ihr Fleisch an Supermärkte verkauft.

Die Tötungsaktion wurde weltweit durch den Dokumentarfilm „Die Bucht“ des US-Fotografen Louie Psihoyos bekannt. Der Film wurde mit einem Oscar ausgezeichnet. Seitdem wird Taiji immer wieder von Tierschützern aufgesucht. Doch die lokalen Fischer lässt der internationale Druck kalt. Die Delfine fräßen zu viel Fisch. Allerdings spannen sie Trennwände in der Bucht, damit man sie beim Töten nicht filmen und fotografieren kann. Das blutrot gefärbte Meer lässt sich jedoch nicht verstecken.

Kritik von Kennedy und Ono

Die Tierschützer weisen das Argument der Fischer zurück, sie würden bereits seit Jahrhunderten Delfine jagen. Die Jagd habe laut Dokumenten aus Taiji zwar 1933, 1936 und 1944 stattgefunden, aber regelmäßig erst 1969 begonnen. Deswegen könne das Gemetzel nicht als „Tradition“ verteidigt werden. Die japanische Künstlerin Yoko Ono veröffentlichte einen offenen Brief an die 3.000 Bewohner von Taiji, das Gemetzel einzustellen, ansonsten würden „die Kinder der Welt die Japaner hassen“.

Am meisten wurden die Unterstützer der Delfin-Jagd durch die mitfühlenden Worte von Caroline Kennedy überrascht. Die Tierliebhaberin ist in Japan extrem beliebt. Über Twitter bezeichnete sie die Jagd als „unmenschlich“. Der übersetzte Tweet verbreitete sich im twitter-verrückten Japan schnell. Die meisten Japaner wissen von der Delfin-Jagd in Taiji wenig und essen auch kein Delfin-Fleisch. Delfine werden auch in Japan nicht primär als Nahrungsmittel betrachtet. Die gnadenlosen Fischer von Taiji zerstören das Image von Japan im Westen daher praktisch im Alleingang.

Foto: Treibjagd auf Delfine in Taiji 2014 (NHK)