Tokio (JAPANMARKT/pb) – Der US-Kasinogigant Sands will bis zu 10 Milliarden Dollar für den Bau eines „integrierten Resorts“ mit angeschlossenen Glücksspielsälen in Japan investieren. Ein Gesetz, das das Glückspiel in Kasinos in Japan zulassen soll, wurde im Dezember ins Parlament eingebracht und hat gute Aussichten, während der laufenden Sitzungsperiode bis Juni verabschiedet zu werden. Dabei hat Japan bereits heute die größte Glücksspielindustrie der Welt – in Gestalt von Pachinko und Pachislot. Offiziell gilt das Spielen mit der japanischen Flipper-Variante aber nur als Unterhaltung. Doch Glücksspielkritiker sehen darin ein hohes Suchtpotenzial.

Pachinko und Pachislot

Nirgendwo auf der Welt ist Glücksspiel so allgegenwärtig und leicht zugänglich wie in Japan. Knapp 60 Prozent der Einnahmen generieren 12.000 Spielhallen mit knapp 380.000 Pachinko- und Pachislot-Automaten, die Sach- und Geldpreise versprechen. Pachislot ähnelt Daddelautomaten, wie sie in deutschen Kneipen an der Wand hängen. Beim Pachinko sollen die flipperähnlichen Automaten mehr Kugeln ausspucken, als die Spieler hineinschießen.

Entgegen vielfachen Behauptungen kann man dabei Geld gewinnen. Dennoch gelten beide Maschinenspiele als Unterhaltung, aber offenbar fürchtet die Behörden das Suchtpotenzial der Maschinen.

Vor diesem Hintergrund sind die Geräte so programmiert, dass ein Spieler nicht mehr als 200 Yen (1,50 Euro) je Minute verlieren kann. Zugleich sind die Gewinnchancen klein, da die gewonnenen Kugeln über ein Drittel weniger wert sind als die abgeschossenen Kugeln. Trotzdem gibt es geschätzt 1 Million Pachinko-Süchtige. Schon zur Öffnung morgens stehen selbsternannte „Pachinko-Profis“ vor den Spielhallen Schlange, weil sie als erste an den vermeintlich „besten“ Automaten sitzen wollen.

Senioren am Flippern

Der durchschnittliche Einsatz hat sich seit der Jahrtausendwende verdoppelt, weil sich die Zahl der Spielhallen bei gleichem Gesamtumsatz halbierte. Als Folge der Überalterung verdaddeln inzwischen immer mehr Senioren ihre Zeit und ihr Geld an den Geräten. „Japan spielt wie verrückt, aber tut so, als ob es das nicht gäbe“, kritisiert David Plotz, der für die US-Japan-Stiftung die Branche untersuchte.

Lange Zeit erpressten Verbrecherbanden – die Yakuza – Schutzgelder von der Pachinko-Industrie und bereicherten sich am halblegalen Umtausch der Sachgewinne in Geld. Aber in den neunziger Jahren wurde die Yakuza durch die öffentliche Aufsichtsbehörde SECTA aus der Pachinko-Industrie verdrängt.

SECTA erteilt Lizenzen und überwacht die Sicherheit der Spielhallen. Die Behörde ist fest in der Hand ehemaliger Polizisten, ihre Einnahmen fließen auch in den Pensionsfonds der Polizei. Ex-Polizisten arbeiten als Berater für Pachinko-Vereinigungen und die Hersteller der Kontrollgeräte für den Automatenumsatz.

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