Tokio (JAPANMARKT/mf) – Man nehme ein paar Mäusezellen, beträufele sie mit Zitronensäure und erhalte Stammzellen, die sich in jede andere Mäusezelle verwandeln können (JAPANMARKT Online berichtete). Das klingt zu einfach (und zu schön), um wahr zu sein. Warum sollte dieser einfache Prozess nie schon früher entdeckt worden sein? Und warum gelang diese Entdeckung ausgerechnet einer Frau (!) aus Japan praktisch im Alleingang? Die Skepsis der Zellforscher ist seit der Entdeckung gewachsen, weil bisher niemand das japanische Ergebnis im Labor gelang. Jetzt kann man den Grund dafür verstehen.

Detaillierte Anleitung

Das Zentrum für Entwicklungsbiologie vom Forschungsinstitut Riken in Kobe hat auf die internationale Fachkritik reagiert und – wie das eigentlich auch sonst bei Experimenten üblich ist – eine genaue Anleitung für den Laborprozess veröffentlicht. Wer sich auch als Laie einmal die Mühe macht, die zehnseitige Anleitung zu lesen, der versteht plötzlich, dass es man eben doch mal eben so Zitronensäure auf Mäusezellen träufeln kann, um frische Stammzellen zu erhalten.

Die Wissenschaftler des Riken-Instituts betonten, sie hätten die Konversion von Blutzellen in Stammzellen „reproduzierbar“ beobachtet, falls die richtigen Verfahren in der korrekten Abfolge durchgeführt werden. So muss man beispielsweise darauf achten, wie man die Zellen beim Waschen nicht kontaminieren darf und dass sie eher von weniger als eine Woche alten männlichen Mäusen stammen sollten.

Frau in der Forschung

Im Umkehrschluss bedeuten diese viele Variablen jedoch, dass die neue Methode zur Stammzellenproduktion, sollte sie demnächst auch in anderen Laboren bestätigt werden, eben doch nicht so simple ist, wie es auf den ersten Blick aussah. Oder hängt die harsche Reaktion auf diesen Durchbruch in der Zellforschung damit zusammen, dass er einer jungen Frau gelungen ist?

Haruko Obokata hatte bereits im April 2012 in einer Arbeit über die Produktion dieser sogenannten STAP-Zellen berichtet, doch das Magazin Nature lehnte damals die Publikation mit der Begründung ab, ihre einfache Herstellung von Stammzellen würde sich über ein Jahrhundert der Zellbiologie lustig machen. Nächtelang habe sie geweint, erzählte Obokata. Erst im zweiten Anlauf, als auch ihr Professor Teruo Wakayama sich als Autor beteiligte, wurde die Veröffentlichung akzeptiert.

Nachtrag vom 11. März: Inzwischen hat ein Ko-Autor der Studie, eben jener Professor Wakayama, Frau Obokata aufgefordert, die Veröffentlichung freiwillig zurückzuziehen. Es gebe zu viele Zweifel an den Ergebnissen.

Foto: Maus mit stressinduzierten Stammzellen, die sich durch ein zusätzliches Fluoreszenz-Gen verraten (Haruko Obokata / Nature 505, 641–647, 2014)