Tokio (JAPANMARKT/mf) – Die Mini-Supermarkt-Ketten Seven & I Holdings, Lawson und Family Mart glauben an einen wachsenden Bedarf an frischem Gemüse und Obst in Japan. Da die Familienbetriebe aussterben, gründen sie inzwischen eigene Agrarunternehmen. Junge Leute werden zu modernen Landwirten ausgebildet, damit die Einzelhändlern ihren Bedarf an einheimischer Ware aus eigener Kraft decken können. Damit verschärft sich der Trend zu einer effizienteren Landwirtschaft in Japan.

Familienbetriebe sterben aus

Unter der Regierung Abe und als Folge von Abenomics dürfte sich die Agrarwirtschaft erheblich wandeln. Die Regierung will die Stilllegeprämien für Reisbauern abbauen. Ab April werden kleine Felder von Einzelbauern und Familienbetrieben mit Hilfe von Land-Banken zu größeren Einheiten zusammengefasst. Diese Einheiten dürfen dann vollständig von Unternehmen bewirtschaftet werden.

Lawson, 7-Eleven oder FamilyMart wollen mehr frisches Gemüse und Obst in ihren Filialen anbieten, damit die Kunden häufiger bei ihnen einkaufen. Nach einer Schätzung von Lawson kommen Kunden doppelt so häufig, wenn es im Laden frische Agrarwaren gibt. Doch die Händler machen sich Sorgen, dass die alternden Einzelbauern den Bedarf nicht decken können. Der Durchschnittsbauer ist über 60 Jahre alt und hat keinen Nachfolger. Japan braucht deswegen ein neues Modell für seine Agrarwirtschaft.

Wenn Toyota Paprika züchtet

Bereits 2010 wurden die Regeln das erste Mal geändert. Seitdem dürfen Firmen bis zu 49,9 Prozent von Agrarbetrieben besitzen. Zuvor waren es weniger als 10 Prozent. In den drei Jahren seit dieser Änderung ist die Zahl solcher Agrarbetriebe von knapp 2.000 auf über 13.000 gestiegen. Seven & I gründete das erste Joint Venture schon 2008. Aus einem 2-Hektar-Hof wurden inzwischen zehn Betriebe, die vor allem Gemüse erzeugen.

Japans größter Einzelhändler Aeon ist innerhalb von fünf Jahren zum größten Gemüse-Produzenten Japans geworden. Das Unternehmen betreibt 14 Betriebe mit 230 Hektar und will diese Fläche bis 2016 verdoppeln. Dort wachsen vor allem Kohl und Spinat. Insgesamt produziert Aeon jedoch erst 1 Prozent seiner Frischwaren selbst, so dass viel Expansionsmöglichkeit bestehen.

Auch Nahrungsmittel-Verarbeiter, Baufirmen und sogar Toyota haben in die Landwirtschaft expandiert. Toyota züchtet Paprika in Miyagi in Treibhäusern, die mit der Abwärme eines Generators in der nahegeliegenden Fahrzeugfabrik betrieben werden. Auf 1,8 Hektar will Toyota 315 Kubiktonnen Paprika erzeugen.

Foto: Wasabi-Anbau (flickr/Iris)