Tokio (JAPANMARKT/mf) – Seit Monaten erweckt die japanische Regierung und ihr nahestehende Politiker und Intellektuelle den Eindruck, dass sie die Kriegsschuld und ihre Entschuldigungen dafür widerrufen will. Vor allem der Besuch von Premierminister Shinzo Abe am Yasukuni-Schrein zu Weihnachten hatte hohe Wogen der Empörung in Südkorea und China ausgelöst. Jetzt hat Abe viel Öl auf die Wogen gegossen. Überraschend hat er sich im Parlament dazu bekannt, alle bisherigen drei prinzipiellen Erklärungen aufrechtzuerhalten. Das Motiv für seine Kehrtwende liegt auf der Hand.

Schmerzen wegen „Trostfrauen“

Viele Nationalisten in Japan leugnen, dass das japanische Militär in die Rekrutierung und Zwangsverpflichtung der Frauen involviert waren. Die Regierung will die Anfang der 90er Jahre aufgenommenen Aussagen von anonym gebliebenen Opfern noch einmal überprüfen. Daran hält sie trotz der Abe-Aussage weiter fest.

Seine Regierung wolle die offizielle Entschuldigung Japans von 1993, wonach viele vor allem koreanische Frauen zum Dienst in Militärbordellen gezwungen wurden, nicht verändern, erklärte Abe im Parlament. Zuletzt hatte seine Regierung den Anschein erweckt, dieses sogenannte Kono-Statement revidieren zu wollen.

Jedoch erklärte Abe im Parlament: „Ich denke mit tiefen Schmerzen an die Trostfrauen, die unermessliches Leid erfarhen haben“, erklärte Abe. Die Erklärung von Yohei Kono adressiere dieses Thema und mein Kabinett hat keine Absicht, es neu zu bewerten, fügte der Regierungschef hinzu.

Annäherung an Südkorea

Das Martyrium der Trostfrauen belastet insbesondere Tokios Beziehungen zu Südkorea. Präsidentin Park Geun-hye hat von Japan eine Bekräftigung der Entschuldigung sowie Entschädigungszahlungen für die Frauen gefordert. Laut dem japanischen Außenministerium war es das erste Mal, dass Abe eine klare Position zu dem Thema bezog.

Seine Worte spiegelten den Willen wider, die Beziehungen zu Seoul zu verbessern und den Weg zu einem möglichen Treffen mit der südkoreanischen Präsidentin Park Geun-Hye zu ebnen, sagte Außenamtssprecher Masaru Sato laut einem Bericht der Nachrichtenagentur ap. Die beiden Länder müssten dringend sprechen, forderte die Finanzzeitung Nikkei.

Derzeit bemüht sich Abe um einen Dreier-Gipfel mit US-Präsident Barack Obama und Südkoreas Präsidentin Park am Rande einer Nuklearkonferenz in Holland. Bislang will Frau Park Abe nicht treffen, da er die Kriegsschuld Japans relativiere. Seitdem steht Japan unter Druck der USA, sich Südkorea anzunähern.

Foto: Protestierende überlebende „Trostfrauen“ in Los Angeles (flickr/keithpr)