Tokio (JAPANMARKT/mf) – Die Vorgänge um eine neue Methode zur Erzeugung von Stammzellen haben sich zum Forschungseklat ausgeweitet. Der Direktor des Riken-Instituts, Ryoji Noyori, selbst ein Nobelpreisträger, nannte die Forschungsarbeit von fünf japanischen und zwei amerikanischen Wissenschaftlern „schlampig“ und wunderte sich öffentlich über den „Zeitgeist“ und den „Kulturwandel“ in der Forschungsethik unter jungen Wissenschaftlern. Damit spielte Noyori auf die Arbeitsweise der 30-jährigen Hauptautorin Haruko Obokata an.

Ruf in der Zellforschung lädiert

Die Finanzzeitung Nikkei reagierte auf den Skandal gar nicht amüsiert. Die zwei umstrittenen Studien hätten dem Respekt vor japanischer Zellforschung einen Schlag versetzt, meinte das renommierte Blatt in seinem Kommentar. Dabei hatte Japan sich diesen Ruf durch den Nobelpreis für Shinya Yamanaka gerade erst aufgebaut (JAPANMARKT Online berichtete). Yamanaka hatte eine Methode gefunden, Zellen durch einen chemischen Cocktail in ihren Ursprung zurück zu verwandeln.

Die Zeitung konzentrierte ihre Kritik auf das Forschungsinstitut Riken, das fast ausschließlich mit Steuergeldern finanziert wird. Riken verlangt zum Beispiel von seinen Forschern, dass sie ein Art Forschungstagebuch zur Dokumentation ihrer Vorgehensweise führen. Diese Vorschrift geht auf eine Datenfälschung bei einer Blutstudie im Jahr 2004 zurück. Doch Frau Obokata musste trotz ihres jungen Alters diesem Verfahren nicht folgen.

Gibt es die STAP-Zellen überhaupt?

Auch den entscheidenden Schritt hat Riken noch nicht getan, nämlich die Existenz der STAP genannten Stammzellen infrage zu stellen. Die Autoren behaupten, dass sie Blutzellen von Mäusen mit einer milden Säure behandelt und im Ergebnis Stammzellen erhalten haben. Eine solche einfache Methode zur Herstellung von Stammzellen ist eigentlich zu schön, um wahr zu sein (JAPANMARKT Online berichtete).

Aber inzwischen hat Frau Obokata eingeräumt, dass sie „gepuzzelt“ habe. Konkret benutzte sie offenbar ein Foto aus ihrer Doktorarbeit für einen der Aufsätze. Dumm für Riken: Einer der Autoren ist Yoshiki Sasai, Vize-Chef des Riken-Zentrum für Entwicklungsbiologie. Das macht es schwer, das gesamte Forschungsergebnis einzukassieren.

Abweichende Vorgehensweise

Inzwischen hat das Riken-Institut detaillierte Angaben zur Vorgehensweise veröffentlicht. Doch diese Angaben stimmen nicht mit dem Verfahren überein, das in den beiden in der Zeitschrift Nature veröffentlichten Studien angegeben wurde. Am Ende ist es gar nicht möglich, auf diesem Weg Stammzellen zu erzeugen.

Doch soweit will das Riken-Institut nicht gehen. Offenbar hofft man verzweifelt darauf, dass irgendein Forscher außerhalb des Instituts doch noch Stammzellen auf die beschriebene Weise produzieren kann. Auch einer der Autoren der beiden Studien will die Forschung komplett wiederholen. Sollten diese Versuche im Nichts enden, wäre der Skandal noch viel größer.

Foto: aus mit stressinduzierten Stammzellen, die sich durch ein zusätzliches Fluoreszenz-Gen verraten (Haruko Obokata / Nature 505, 641–647, 2014)