Tokio (JAPANMARKT/mf) – Der Wiederaufbau in Tohoku, die Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele und der Boom bei privaten Wohnhäusern, der steigende Bedarf an erdbebensicheren Bürogebäuden – all diese Projekte drohen durch den Mangel an Bauarbeitern ins Stocken zu geraten. Bisher will die Regierung das Problem durch die vorübergehende Einwanderung von Arbeitern im Rahmen eines Trainings-Programms beheben. Aber ist das fair? Zugleich gibt es Überlegungen, grundsätzlich mehr Einwanderung zuzulassen.

Arbeit statt Ausbildung

Seit langem existiert ein sogenanntes Ausbildungs- und Förderungsprogramm für ausländische Arbeitskräfte ohne besondere Qualifikationen. Kleine und mittlere Firmen können diese Arbeiter aus Ländern wie China, Vietnam, den Philippinen oder Thailand für mehrere Jahre ins Land holen. Offiziell geschieht dies zu einem „Training on the job“.

Rund 150.000 Ausländer werden auf diese Weise derzeit in Japan beschäftigt. Doch in der harten Realität läuft das Programm auf eine oft menschenunwürdige Ausbeutung hinaus. Immer wieder gibt es Berichte, dass die Firmen die Ausländer als billige Arbeitskräfte beschäftigen und nach Abzug von Kost und Logis oft nur Hungerlöhne zahlen.

Aufgeblähte Bauindustrie

Rund 10 Prozent dieser legalen Arbeitskräfte aus dem Ausland sind in der Bauindustrie beschäftigt. Nun will die Regierung das bestehende Programm einfach ausweiten und mehr Ausländer für die Bauindustrie rekrutieren. Das dürfte die aktuellen Probleme dieses Programms verschärfen, zumal in der Bauindustrie häufig keine Sozialabgaben gezahlt werden.

Der japanische Bausektor ist – verglichen mit anderen Industrienationen – als Folge vieler staatlicher Konjunkturprogramme relativ aufgebläht. Das Land beschäftigt aktuell 4,5 Millionen Bauarbeiter. Das sind allerdings schon 1 Million weniger als in den neunziger Jahren.

Einwanderungsreform?

Unterdessen hat eine Expertengruppe empfohlen, dass Japan pro Jahr 200.000 Ausländer einwandern lassen soll – als Ausgleich für die schnelle Alterung und schrumpfende Bevölkerung. Kabinettssekretär Yoshihide Suga wollte dies nicht dementieren. Möglicherweise kommt die Einwanderungsfrage in das Paket mit neuen Strukturreformen, das Premier Shinzo Abe im Juni vorlegen will.

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