Tokio (JAPANMARKT/mf) – In der Außenpolitik scheint Shinzo Abe vom Pech verfolgt. Mit Indiens Premierminister Manmohan Singh versteht sich der japanische Regierungschef gut – aber Singh tritt zur Parlamentswahl am 7. April nicht mehr. Mit Wladimir Putin entstand eine regelrechte Männerfreundschaft. Doch nach der Annektion der Krim muss Abe die Scherben der japanisch-russischen Freundschaft zusammenkehren. Doch so ganz will Abe seinen Männerfreund in Moskau nicht fallenlassen.

Traum vom Friedensvertrag

Fünf Mal haben sich Japans Regierungschef Shinzo Abe und Russlands Präsident Wladimir Putin innerhalb eines Jahres persönlich getroffen – und wurden dabei so etwas wie Freunde. So schenkte Abe Putin einen Hund aus einer urjapanischen Rasse. Der Vierbeiner mit dichtem Winterfell hört auf den japanischen Namen „Yume“ – zu deutsch „Traum“ und damit ein starkes Symbol.

Denn dieser Traum beider Seiten ist ein Friedensvertrag, der nach 70 Jahren einen endgültigen Schlussstrich unter den Zweiten Weltkrieg ziehen soll. Zwar müssten Japan und Russland dafür ihren Streit um die vier südlichen Inseln der Kurilen-Kette beilegen. Russland hatte die vier Inseln am Kriegsende annektiert, Japan verlangt sie seitdem zurück. Aber Moskau und Tokio signalisierten ihre Flexibilität.

Nun hat die Krim-Krise die Friedenspläne von Russland und Japan vorerst zu Makulatur gemacht. Schweren Herzens folgt Japan den anderen G-7-Staaten und verhängte einige „Maßnahmen“ gegen Russland. Eingefroren wurden alle Gespräche über Visaerleichterungen, alle neuen Verhandlungen über ein Investitionsabkommen sowie neue Vereinbarungen über Weltraum- und Militär-Zusammenarbeit ein.“

Kooperation nicht gestoppt

Bei genauerem Hinsehen handelt es sich allerdings nur um Sanktiönchen: Japan legt lediglich seine Pläne für eine engere Zusammenarbeit mit Russland auf Eis, schränkt die Beziehungen jedoch nicht ein und schlägt auch keine Türen zu. Regierungschef Abe war schon bei den Olympischen Winterspielen von Sotschi aus der Phalanx anderer G-7-Staaten ausgeschert und hatte persönlich an der Eröffnungsfeier teilgenommen. Bei einem Mittagessen ließ Putin dem Japaner den besten Kaviar und Wodka servieren.

Die besondere Gastfreundschaft wird Abe nicht vergessen haben. Doch wegen der Sicherheitspartnerschaft mit den USA muss er zumindest vordergründig auf der Linie von Präsident Barack Obama bleiben. Folgerichtig stimmte Japan in den Chor der Mahner ein und forderte von Russland, das internationale Recht und die Integrität der Ukraine zu respektieren und die Krim nicht zu annektieren. Außerdem äußerte Japan „äußerste Besorgnis“ über die Spannungen in der östlichen Ukraine aus.

Ambivalente Haltung

Dennoch bleibt die Haltung der Abe-Regierung ambivalent. Sie will offenbar noch im März den Leiter ihres neuen Sicherheitsrates nach Russland entsenden. Presseberichten zufolge wird Putin den japanischen Gesandten persönlich empfangen.

Die spezielle Männerfreundschaft zwischen Abe und Putin geht also weiter – aber der Weg zum Friedensvertrag ist viel länger geworden. Schließlich hat Putin auf der Krim mehr als deutlich gemacht, dass er keinen Quadratmeter russischen Boden aufgeben will.

Foto: Putin und Abe Anfang Februar in Sotchi (Kantei)