Tokio (JAPANMARKT/mf) – Japans erstes Erdwärme-Kraftwerk seit 15 Jahren wird voraussichtlich noch in diesem Monat in Betrieb gehen. Die Anlage wurde in einer kleinen Gemeinde mit Tourismus rings um heiße Quellen (Onsen) auf der südlichen Hauptinsel Kyushu errichtet. Das letzte Kraftwerk für Erdwärme wurde 1999 eröffnet. Erst die Fukushima-Katastrophe löste ein Umdenken zugunsten von erneuerbaren Energien aus. Das Projekt in Kyushu zeigt die Chancen und Probleme von Geothermie-Projekten in Japan.

Lokale Kooperation als Basis

Das neue Kraftwerk in dem Ort Waita zeichnet sich durch zwei Merkmale aus: Mit einer Leistung von nur 2.000 Kilowatt oder 2 Megawatt produziert es nur wenig Strom. Man bräuchte rund 500 solcher Erdwärme-Kraftwerke, um einen einzigen modernen Atomreaktor zu ersetzen. Doch die Anlage sollte möglichst wenig in die Natur und die Landschaft eingreifen. Zweitens ist das Kraftwerk in Waita in Zusammenarbeit mit der Gemeinde entstanden.

Gebaut wurde es von der lokalen Vereinigung der Onsen-Betreiber und einem neuen Ableger des Stromversorgers Chuo Electric. Das ist eine wegweisende Lösung, denn die Standorte von Kraftwerken liegen oft nahe Orten, die mit dem Badetourismus ihr Geld verdienen. Viele Gemeinden leisten bisher Widerstand gegen Erdwärme-Strom, da sie eine Auswirkung auf die Versorgung ihrer Onsen-Hotels mit heißem Wasser befürchten (JAPANMARKT Online berichtete).

Regierung garantiert Schulden

Ausdrücklich wirbt deswegen der Betreiber damit, dass die Projekte zusammen mit der Gemeinde verwirklicht werden. Nach diesem Muster will man in den nächsten five Jahren jeweils eine Anlage in dieser Größenordnung verwirklichen. Dennoch kann von einem Aufschwung der Geothermie in Japan noch keine Rede sein. Denn viele potenzielle Standorte müssen zunächst aufwändig sondiert werden.

Dann braucht es häufig Sondergenehmigungen, da die besten Standorte nicht selten in Natur- und Landschaftsschutzgebieten liegen. Und schließlich fehlt es an Finanzierungsmodellen, da Banken und Unternehmen wenig Erfahrung mit solchen Projekten haben. Die Regierung ist deshalb bereits dazu übergegangen, die Schulden von neuen Kraftwerke staatlich zu garantieren, um die Projekt voranzubringen.

Foto: Waita-Kai