Tokio (JAPANMARKT/nd) – Wieder einmal standen die japanischen Fans von Schriftsteller Haruki Murakami vor einem Buchladen bis Mitternacht Schlange, um sein neuestes Werk möglichst schnell in den Händen zu halten und zu lesen. Diesmal weckte die erste Sammlung von Kurzgeschichten seit neun Jahren ihr starkes Interesse. Dass nur eine einzige Geschichte bisher unveröffentlicht war, störte die Fans gar nicht. Vielleicht fanden sie aber einfach nur den Titel der Sammlung spannend.

Männer, die keine Frauen haben

Die Harukisten, wie die Hardcore-Anhänger des Autors genannt werden, dürfen sich an sechs Kurzgeschichten erfreuen. Eine davon mit dem vieldeutigen Titel „Onna no Inai Otokotachi“ – auf Deutsch in etwa „Männer, die keine Frauen haben“ gab auch der ganzen Sammlung ihren Namen. Die inhaltliche Aussage dürfte sich auf die sich ausbreitende Beziehungs- und Kinderlosigkeit in Japan beziehen.

Murakami hatte in seiner Karriere immer wieder negative Seiten der japanischen Gesellschaft aufgespießt und untersucht. Die Übersetzung in „Männer ohne Frauen“, die mit einer Kurzgeschichten-Sammlung von Ernest Hemingway identisch wäre, lehnt Murakami im Vorwort ab, weil sie seiner Intention widersprechen würde.

Warten auf Literaturnobelpreis

Wegen der großen Nachfrage musste der Verlag die Erstauflage des 285 Seiten starkes Werkes auf 300.000 Stück erhöhen. Es ist die erste Veröffentlichung von Murakami seit seinem Roman „Der farblose Tsukuru Tazaki und seine Pilgerjahre“, der im April vergangenen Jahres erschienen ist. Der Rekord-Bestseller ist im Januar auf Deutsch erschienen (JAPANMARKT Online berichtete).

Binnen einer Woche konnte der Japaner 1 Million Stück von diesem letzten Roman in Japan verkaufen. Auch seine Trilogie 1Q84 hatte die nationalen Verkaufsrekorde gebrochen. Die drei Bände überschritten jeweils schnell die Millionen-Marke. Murakami wird schon seit Jahren als heißer Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt. Aber vielleicht ist er einfach zu populär, um den Juroren preiswürdig zu erscheinen.

Foto: Cover-Ausschnitt der neuen Kurzgeschichten-Sammlung (Bungei-Shunju)