Tokio (JAPANMARKT/mf) – Die japanische Regierung will ihren Traum von unendlicher Energie in Selbstversorgung nicht aufgeben. Bis zum Atomunfall von Fukushima hatte die Regierung den Aufbau eines geschlossenen Brennstoffkreislaufes für Uran und Plutonium geplant. Dafür braucht man Atomkraftwerke vom Typ Schneller Brüter, eine Wiederaufbereitungsanlage und eine Fabrik für Mischoxid-Brennelemente aus Uran und Plutonium. Bisher verfügt Japan nur über eine Plutoniumfabrik. Jetzt hat der atomfreundliche Premierminister Shinzo Abe eine Lösung für das Brüter-Problem gefunden.

Gescheiterter Brüter Monju

Mehr als 20 Jahre lang hat Japan an einem eigenen Schnellen Brüter geforscht. Die Versuchsanlage in Monju wurde jedoch den größten Teil dieser Zeit durch die Nachwirkungen eines Feuers lahmgelegt, bei dem Natrium in Brand geraten war. Laut dem neuen Energieplan wird die Entwicklung dieses Versuchstyps nicht mehr weiterverfolgt (JAPANMARKT Online berichtete). Die Anlage soll jedoch für Versuche benutzt werden, die Menge des radioaktiven Abfalls zu verringern.

Auf den ersten Blick sah es damit so aus, als ob Japan sein altes Ziel, bis zum Jahr 2100 einen geschlossenen Brennstoffkreislauf aufzubauen und sich allein mit Strom aus Uran und Plutonium zu versorgen, völlig aufgegeben hatte. Doch die Skeptiker wurden jetzt bei der Europareise von Premierminister Shinzo Abe überrascht. Japan wird sich nämlich künftig an der Entwicklung eines neuen Brutreaktors beteiligen, an dem Frankreich bereits arbeitet. Dieser Reaktor soll den Brennstoff besonders effizient nutzen und weniger strahlende Abfälle produzieren.

Astrid-Brüter der 4. Generation

Dafür unterzeichneten das japanische Ministerium für Wirtschaft und Wissenschaft sowie das französische Nuklearforschungsinstitut Commissariat à l’Energie Atomique et aux Energies Alternatives“ bei dem Besuch von Abe in Paris einen Vertrag für ein Projekt zum Schnellen Brüter der vierten Generation namens „Astrid“. Vor der Wahl von Präsident Francois Holland hatte Frankreich Ausgaben von 652 Millionen Euro für die Entwicklung eines 600-Megawatt-Astrid-Prototypen bis 2025 eingeplant.

Schneller Brüter bedeutet, dass das Kraftwerk als Folge der Kettenreaktionen mehr Brennstoff produziert als verbraucht. So soll Astrid 100 Mal mehr Strom aus der gleichen Uran-Menge wie herkömmliche Spaltreaktoren produzieren und könnte auch radioaktive Abfälle als Brennstoff nutzen. Astrid ist die Abkürzung von Advanced Sodium Technological Reactor for Industrial Demonstration.

An der Entwicklung und Umsetzung sind der französische Stromversorger EDF und der Atomkonzern Areva beteiligt. Die ersten kommerziellen Reaktoren von diesem Typ würden ab 2040 gebaut. Frankreich hatte seinen bisher einzigen Schnellen Brüter Superphönix 1997 nach radioaktiven Lecks stillgelegt. Auch China, Russland und Indien haben Programme zur Entwicklung von Schnellen Brütern.

Foto: Stillgelegter Superphönix-Brüter in Frankreich (Wikipedia)