Tokio (JAPANMARKT/yp) – Japanische Arbeitnehmer haben zwar einen gesetzlichen Anspruch auf 20 Urlaubstage im Jahr. Doch davon nehmen sie im Schnitt nur knapp neun Tage in Anspruch – aus Rücksicht auf ihre Kollegen und als Reserve für Krankheiten, weil man dafür in Japan oft Urlaubstage benutzt. Das Problem ist, dass vor lauter Arbeit der Konsum leidet. Deswegen erhöht die Regierung seit Jahren die Zahl der Feiertage, damit die Japaner raus aus ihren Büros und Fabriken kommen. An diesem Freitag erfolgte der jüngste Streich.

Feiertage für den Konsum

Das Parlament verabschiedete ein Gesetz für die Einführung eines 16. Feiertags. Der „Tag des Berges“ soll eine „Gelegenheit bieten, den Bergen näherzukommen und ihnen für ihren Segen zu danken“, heißt es in dem Zusatz zum nationalen Feiertagsgesetz. Doch an der Tatsache, dass der Tag des Berges erstmals am 11. August 2016 stattfindet, erkennt man schon, dass es weniger ums Wandern und mehr um die Wirtschaft gehen.

Das Datum befindet sich nämlich nicht in einer wanderfreundlichen Zeit, weil es in weiten Teilen Japans zu feucht und zu warm für einen Ausflug in die Berge ist, sondern in auffälliger Nähe zu den buddhistischen Obon-Ahnengedenk-Tagen. Ganz offensichtlich zielt der Feiertag darauf ab, eine Strecke von freien Tagen abzusichern bzw. zu verlängern.

Feiertage ersetzen Urlaubstage

Denn Japans Wirtschaft braucht den privaten Konsum, der immerhin 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmacht. Da die Arbeitnehmer ihren Urlaub nicht nehmen, führt man immer mehr Feiertage ein. Dann haben alle frei und keiner muss sich vor schiefen Blicken der Kollegen fürchten, die am Urlaubstag der anderen die Mehrarbeit haben.

Die Firmen schließen daher meist gemeinsam über Neujahr, in der Goldenen Woche und zu Obon. Die freie Woche im August wird durch den neuen Feiertag nun bestätigt und abgesichert.

Mit bald 16 gesetzlichen Feiertagen liegen die Japaner weltweit an der Spitze. Nur Indien hat noch 16 Tage, aber nicht alle davon sind gesetzliche Tage. Deutschland schafft es – je nach Bundesland – nur auf neun (Hamburg) bis dreizehn (Bayern) Tage. Dafür haben die Deutschen aber auch einen gesetzlichen Mindesturlaub von 24 Tagen. Oft sind es jedoch einige Tage mehr.

Hier die Liste der gesetzlichen Feiertage in Japan:

Neujahr am 1. Januar (ganjitsu, gantan, shinnen)
Tag der Erwachsenen am 2. Montag im Januar (seijin no hi)
Tag der Reichsgründung am 11. Februar (kenkoku-kinen no hi)
Frühlingsanfang um den 21. März (shunbun no hi):
Showa-Tag am 29. April (Showa no hi, Geburtstag von Kaiser Hirohito)
Verfassungsgedenktag am 3. Mai (kenpo kinenbi)
Tag des Grünens am 4. Mai (midori no hi)
Tag des Kindes am 5. Mai (kodomo no hi): 5. Mai
Tag des Meeres am 3. Montag im Juli (umi no hi)
NEU: Tag des Berges am 11. August (ab 2016) (yama no hi)
Tag der Ehrung der Alten am 15. September (keiro no hi)
Herbstanfang am 22. September (shubun no hi)
Tag des Sports am 2. Montag im Oktober (taiiku no hi)
Tag der Kultur am 3. November (bunka no hi)
Arbeitsdank-Tag am 23. November (kinro kansha no hi)
Geburtstag des Kaisers am 23. Dezember (tenno no tanjobi)

Foto: Berg Fuji (flickr/Ye-Zu)