Tokio (JAPANMARKT/pb) – Bald gibt es in Japan wieder arbeitende Atommeiler. Laut dem Abschlussbericht der Atomaufsicht NRA hat erstmals ein Atomkraftwerk die neuen, vor einem Jahr verschärften Sicherheitsauflagen erfüllt. Doch die zwei Reaktoren im AKW Sendai in der Nähe eines aktiven Vulkans auf der Hauptinsel Kyushu werden nicht vor dem Herbst ans Netz gehen. Denn der weitere Genehmigungsprozess dürfte mehrere Monate dauern. Damit muss Japan erstmals seit fast 50 Jahren einen heißen Sommer ohne Strom aus der Kernspaltung überstehen. Unterdessen wird die politische Verantwortung für die Neustarts hin und her geschoben.

Keine „komplette“ Sicherheit

Niemand in Japan besitzt nämlich ein legales Mandat, das Hochfahren zu erlauben. Daher verlangen der Gouverneur der Präfektur Kagoshima und der Bürgermeister von Sendai, beide Freunde der Atomkraft, eine Erklärung der Zentralregierung, dass die Anlage sicher sei. Premierminister Shinzo Abe wiederum möchte sich auf den Beschluss der Atomaufsicht berufen.

Doch die Behörde will ihre Entscheidung nicht als Freibrief verstanden wissen. „Es gibt keine komplette Sicherheit“, betonte NRA-Chef Shunichi Tanaka. Die Politiker sollten sich mit den AKW-Anwohnern verständigen. Doch der Regierungschef wird auf Druck eher verzichten. Seine Popularitätswerte sind seit der Abkehr des Nationalisten vom Nachkriegspazifismus deutlich gefallen.

Unbeliebter Regierungskurs

Sein Pro-Atomkraft-Kurs ist ähnlich unbeliebt. Mehr als die Hälfte der Japaner lehnt Umfragen zufolge jeden Neustart der Atommeiler ab. Am vergangenen Wochenende setzte sich ein anti-nuklearer Kandidat bei der Gouverneurswahl in Shiga durch, das an die Provinz Fukui mit 14 AKW angrenzt. Auch der lokale Widerstand gegen den Neustart der zwei 30 Jahre alten Druckwasserreaktoren in Kyushu ist groß.

Mehr als die Hälfte der 30 000 Bewohner einer Küstenstadt in 5 Kilometer Entfernung vom AKW hat eine Petition gegen den Neustart unterschrieben. Der Evakuierungsplan für die Region sei unrealistisch und ineffizient, kritisierten sie. In die gleiche Kerbe schlägt Greenpeace. Auf die Evakuierung von Alten, Kindern und Krankenhauspatienten sei der AKW-Betreiber Kyushu Electric nicht vorbereitet. Der Betreiber wiederum droht mit der Erhöhung der Strompreise, falls die Bürger den Neustart verhindern.

Foto: AKW Sendai von Kyushu Electric (Wikipedia)