Tokio (JAPANMARKT/yp) – Wie viele Bälle darf ein junger Baseball-Spieler werfen, ohne dass es an Kindesmisshandlung grenzt? Das ist die Frage, die ein Jungstar im Schul-Baseball aufgeworfen hat, der das traditionelle brutale Training verweigert, um einen Verletzung zu vermeiden. Die japanische Methode wirkt wie aus einem anderen Jahrhundert. Doch das Umdenken beim Schulverband hat begonnen.

Verletzungen durch Überbeanspruchung

Bis zu 200 Bälle sollen junge Pitcher in Japan mit voller Kraft jeden Tag werfen. Nagekomi heißt diese Praxis – sich selbst zum Werfen antreiben, um die nötige Kraft und Technik zu entwickeln. Dabei erreichen die Bälle bei jungen Männern eine Geschwindigkeit von über 140 Kilometer pro Stunde. Die Teams üben sieben Tage die Woche ohne Pause.

Jetzt hat das Wall Street Journal den jungen Pitcher Shota Tatsuta porträtiert. Der junge Mann verweigert sich diesem altmodischen Routinetraining nach dem Vorbild von Paukschulen. Sein Vater und Trainer hatte selbst in seiner Jugend durch zu viel hartes Werfen Ellbogen und Schultern verletzt und musste seinen Traum vom Profi-Spieler aufgeben. Seinem Sohn soll das nicht passieren.

Über 170.000 Mittel- und Oberschüler spielen in japanischen Baseball-Wettbewerben. Es gibt keinen beliebteren und mehr verbreiteten Sport in Japan. Doch im Schul-Baseball müssen die Kinder scheinbar endlose Wurfübungen machen. 200 Mal täglich mit voller Kraft Pitchen sei Kindesmisshandlung, sagt der Baseball-Experte Robert Whiting.

Umfrage des Schulverbandes

Im vergangenen Jahr warf der Jungstar Tomohiro Anruku in fünf Spielen über neun Tage 772 Pitches. Danach laborierte er an einer Ellenbogen-Verletzung. Denn so viele Pitches werfen die meisten amerikanischen Spieler in einem ganzen Monat. Dort gibt es ein Limit von 100 Pitches pro Outing. Dagegen werfen japanische Profi-Spieler sogar zwischen Innings, um sich warm zu halten.

Jetzt hat der Schulverband eine Umfrage unter seinen 4.000 Mitgliedern gestartet, was sie davon halten, die Trainingsroutine für die Baseball-Sportler abzumildern. Neuer Maßstab soll das System sein, das bei den Olympischen Spielen in Peking praktiziert wurde. Dabei beginnen die Teams mit Läufern auf der ersten Base und ab dem elften Inning von der zweiten Base, damit einzelne Pitcher weniger werfen.

Foto: Schul-Baseball in Japan (flickr/boomer44)