Tokio (JAPANMARKT/mf) – Wenn es um den Dienst am Kunden geht, lassen sich Japaner immer etwas Neues einfällen. Ein Beispiel dafür ist das Konzept des Mumin-Cafe: Wer allein an seinem Tisch sitzt, erhält in diesen Cafes ein Begleiter in Gestalt eines Stofftiers aus der Welt der Mumins. Das sind finnische Trolle aus den achtziger Jahren, die in Japan wegen ihrer Schüchternheit und Zurückhaltung beliebt sind. Am Wochenende stehen die Gäste inzwischen Schlange.

Mit Mumin Kaffee trinken

Über dem Eingang steht auf Englisch „Mumin Bäckerei und Cafe„. Vor der Tür sitzt ein großes Stofftier mit Nilpferdschnauze und blauen Kulleraugen auf einem Stuhl. Innen sitzen große Stofftiere aus der Mumin-Familie wie normale Besucher an den Tischen. Da ist die Mumin-Mama mit der Schürze, da ist der mausähnliche Schnüferl, da ist das Snorkfräulin, die Freundin von Mumin.

Gerade kommt ein einzelner Gast, setzt sich an einen freien Tisch und studiert die Speisekarte. Leise trägt die Bedienung ein Mumin-Stofftier herbei und setzt es wie einen Freund zur erwartungsvollen Kundin an den Tisch. Wenig später trinkt sie ihren Kaffee und liest dazu ein Buch. Das Mumin schaut interessiert zu.

Mumin-Gestalten aus Reis

Im mit viel Holz gemütlich eingerichteten Cafe in Tokio ist die Welt der Mumins und Snorks aus den achtziger Jahren wiederauferstanden. Die bemalten Wände zeigen Szenen aus der Welt dieser nilpferdartigen Trollwesen. Die Mumins wurden von der Schriftstellerin Tove Jansson erfunden und leben in einem idyllischen Tal in Finnland.

Im Mumin-Cafe kann man Brot aus finnischem Roggen und Gebäck und Kuchen in der Form von Mumin-Figuren kaufen. In den Kaffeeschaum wird ein Mumin-Gesicht gezeichnet. Auch aus Kartoffeln oder Reis werden Mumin-Figuren gestaltet. Die Gäste mögen es, wenn die Stofftiere das Gefühl der Einsamkeit an ihrem Tisch beenden.

Das Cafe gibt es bereits seit elf Jahren. Aber übers Internet haben sich die Bilder der niedlichen Stofftrolle kürzlich in Japan so verbreitet, dass sich am Wochenende lange Schlangen vor dem Cafe bilden. Einsamkeit scheint in Japan ein großes Problem zu sein. Das entscheidende Erlebnis ist das Teilen eines Tisches mit dem Stofftier.

Inzwischen gibt es drei solche Cafes in Tokio. Und nächstes Jahr öffnet der erste Mumin-Freizeitpark in Japan.

Foto: flickr/Katherine Donaldson