Tokio (JAPANMARKT/pb) – Japans Premier Shinzo Abe ist so viel unterwegs, dass man nicht jede seiner Reisen mitbekommt. Zuletzt war in Kolumbien – hätten Sie es gewusst? In nur achtzehn Monaten hat der rastlose Reisende Abe 47 Länder besucht, wenn man die laufende Lateinamerika-Tour mitzählt. Mehr als jeder andere Premier vor ihm. Er habe auf diesen Reisen sehr hart gearbeitet, erklärte Abe. Für seine Tour de Force hat er starke Motive.

Wider den Einfluss Chinas

Erstens verkündet Abe landauf landab die gleiche Botschaft: Japan ist wieder da. Die Deflation werde dank seiner Abenomics-Politik überwunden, Japan sei wieder ein Ort, wo man Geschäfte machen, Kapital investieren und Aktien kaufen könne. Die Botschaft soll auch in der Heimat ankommen und die Menschen aufrichten.

Zweitens sieht sich Abe als Chefverkäufer der Japan AG für Infrastruktur. Nach seinen eigenen Angaben hat er das Auftragsvolumen für solche Großprojekte in 2013 gegenüber dem Vorjahr verdreifacht. Das gilt insbesondere für Atomkraftwerke, aber auch für andere Infrastruktur-Vorhaben wie Eisenbahnen.

Drittens arbeitet Abe die Versäumnisse der Vergangenheit auf. Während Japan im jährlichen Rhythmus seinen Premierminister austauschte, ist der chinesische Einfluss in der Welt immer mehr gewachsen. Viele Länder machten sich gar nicht mehr die Mühe, sich mit Japan zu beschäftigen. Hier versucht Abe eine Kehrtwende zu erreichen.

Keine Visite der Nachbarn

Daher tritt Abe überall dort auf, wo ihm Aufmerksamkeit sicher ist und ignoriert dabei auch seine schlechte englische Aussprache: Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, bei der OECD in Paris, vor der NATO, an der New Yorker Börse. Im Juli sprach er als erster japanischer Premier vor dem australischen Parlament.

Doch ausgerechnet die beiden Nachbarländer hat Abe noch nicht besucht: Südkorea und China. Gemeinsam kritisieren sie Abes unkritischen Umgang mit der Verantwortung Japans für den Pazifischen Krieg. Hier muss Abe wohl noch einige Überzeugungsarbeit leisten.

Foto: Besuch von Shinzo Abe in Kolumbien am 29. Juli mit Präsident Juan Calderón (Kantei)