Tokio (JAPANMARKT) – Bei der Bank of Japan wächst die Skepsis: Die schwachen Exporte und die gesunkene Industrieproduktion bereiten den Währungshütern nach eigener Aussage Kopfzerbrechen. Dennoch ändert die Notenbank ihre Geldpolitik nicht. Die Bank of Japan warte ab und trinke Tee, meint die Nord LB in ihrer Analyse. Die Notenbanker wollen damit wohl auch auch den Reformdruck auf die Regierung aufrechterhalten.

Notenbank wartet noch ab

Stefan Große, der Japan-Analyst der Nord LB, schreibt: Wie zu erwarten, bleibt Notenbank-Chef Haruhiko Kuroda auf seinem geldpolitischen Kurs und beschleunigt weder die ultra-expansive Geldpolitik, noch bremst er sie ab. Japans Wirtschaft steht vor der großen Herausforderung gerade eine Konsumsteuererhöhung verdauen zu müssen. Dies wird sich vor allem in einem sehr schwachen Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal zeigen. Genau dies macht die Situation aber auch schwierig für die Notenbank.

Die Zielinflationsrate von 2,0 Prozent ist durch die Erhöhung erfüllt, allerdings ist die Frage, ob es gelingt diese nachhaltig zu halten. Die Wirtschaft leidet derweil unter der steuerbedingten Konsumzurückhaltung. Einige Indikatoren kamen vor der Sitzung Mitte Juli zwar nicht so schwach wie erwartet. Allerdings gab es seither schon die eine oder andere Enttäuschung, wie rückläufige Exporte, Einzelhandelsumsätze im negativen Bereich und die Industrieproduktion mit einem größeren Einbruch.

Externe Negativfaktoren

Noch kann es sich hier um Ausreißer handeln. Dennoch sah sich Kuroda in der Pressekonferenz schon genötigt, zusätzliche Negativfaktoren als Begründung heranzuziehen, wie den kalten Winter in den USA und eine schwächere Nachfrage aus den Emerging Markets. Für ihn befindet sich Japan nach wie vor auf einem Wachstumspfad über Potenzialeinkommen und also gibt es keine Notwendigkeit einzugreifen.

Tatsächlich geben das starke amerikanische Wachstum, der robuste US-Arbeitsmarkt und die heute veröffentlichte Handelsstatistik der Volksrepublik China Hoffnung, dass zumindest die Exporte wieder anziehen könnten. Die japanische Lohnentwicklung lässt höhere Preise erwarten. Kuroda betonte auch einmal mehr, dass die Zielinflation für die Bank of Japan die absolute Priorität hat. So lange es nicht absehbar ist, dass dieses Ziel nachhaltig verfehlt wird, wird die Notenbank nichts ändern. Also wartet sie ab, bis sich die Wolken um die Konsumsteuer gelegt haben.

Fazit: Die japanische Notenbank sieht sich mit der Konsumsteuererhöhung einer besonderen Herausforderung gegenüber. Die Wirtschaft ist mindestens für zwei Quartale nachhaltig getroffen. Gegen die Folgen anzusteuern ist nicht die Aufgabe der Notenbank. Dennoch sieht sich Kuroda genötigt sich sehr optimistisch zur Entwicklung der Konjunktur zu äußern. Er betonte auch, dass die Zielinflationsrate für die BoJ Priorität habe.

Insgesamt überrascht es nicht, dass die Notenbank auch an diesem Termin nichts am derzeitigen Kurs geändert hat, denn sie wird mit Sicherheit abwarten, bis sich die Auswirkungen der Steuererhöhung herausgewachsen haben und klarer ist, ob das Ziel der Preissteigerungsrate in Höhe von 2,0% auch dann noch erreicht wird. Erst dann wird sie reagieren.

Foto: Kyoto (flickr/takato marui)