Tokio (JAPANMARKT/pb) – Zum ersten Mal unter der Regierung Abe ist Japans Bruttoinlandsprodukt zurückgegangen. Der Einbruch ist hausgemacht: Denn die kräftige Anhebung der Verbrauchssteuer zum Anfang April hat Firmen und Verbraucher massiv beeinflusst: Zunächst wurden Ausgaben vorgezogen und anschließend kräftig gespart. Jetzt ist ungewiss, wie schnell sich die Konjunktur erholen kann. Davon hängt eine wichtige Entscheidung ab.

Stärkster Einbruch seit drei Jahren

Nach einem Zuwachs von 1,6 Prozent zum Jahresauftakt schrumpfte die Wirtschaftsleistung im abgelaufenen Vierteljahr laut der ersten, oft ungenauen Schätzung real um 1,7 Prozent zum Vorquartal. Der stärkste Einbruch seit der Tsunami-Katastrophe vom März 2011 wurde in diesem Umfang erwartet. Der private Konsum, der 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmacht, sackte real um 5 Prozent ab. Das war das höchste Minus seit 1994.

Die Exporte verringerten sich um 0,4 Prozent. Bei den Einfuhren ging es aufgrund der geringeren Nachfrage um 5,6 Prozent abwärts. Netto trug der Außenhandel jedoch erstmals seit anderthalb Jahren mit 1,1 Punkten zum Wachstum bei. Die Investitionen der Unternehmen sanken um 2,5 Prozent. Die Verbrauchssteuer war zum 1.4. um 3 Punkte auf 8 Prozent erhöht worden.

Erholung entscheidet über Steuerplus

Die Regierung reagierte eher entspannt. Die japanische Notenbank hatte zuvor signalisiert, dass sie vor einer erneuten Ausweitung ihrer Geldpolitik den weiteren Konjunkturverlauf abwarten will. Einerseits haben die Verbraucher schon im Mai und Juni real wieder mehr ausgegeben. Daher erwarten Analysten eine Rückkehr zum Wachstum bereits im laufenden Quartal. Das Verbrauchervertrauen verbesserte sich im Juli leicht auf 41,5.

Andererseits wuchsen die Preise mit +3,6 Prozent im Juli neun Mal schneller als die Einkommen. Zudem schwächelten Exporte und Industrieproduktion. Die Wachstumsrate für das laufende Vierteljahr entscheidet darüber, ob Premierminister Shinzo Abe im Dezember grünes Licht für die nächste, bereits beschlossene Erhöhung der Verbrauchssteuer gibt. Der Satz würde dann im Oktober 2015 auf 10 Prozent angehoben, vor allem um die Mehrkosten durch die steigende Zahl der Senioren zu finanzieren.

Foto: Festival auf Einkaufsmeile Omotesando (flickr/Marufish)