Tokio (JAPANMARKT/mf) – Die Zukunft für die Sonnenenergie in Japan ist düsterer geworden. Denn mit ihrem neuen Energieplan hat sich die konservative Regierung nicht nur für die Beibehaltung der Atomkraft als fundamentalem Energiequelle entschieden. In dem Papier werden auch umfangreiche Risiken der Solarenergie aufgezählt. Entsprechend handelt das zuständige Industrieministerium METI.

Zwei Mal so viel Solarstrom wie Deutschland

Seit der Einführung im Juli 2012 hat das METI den Einspeisetarif für Solarstrom zwei Mal um insgesamt 20 Prozent gekürzt. Jetzt erhalten die Betreiber nur noch 32 Yen pro Kilowattstunde. Die Argumente: Die Installationskosten seien gefallen und die angemeldeten Projekte würden nicht umgesetzt.

Die Solarindustrie hält dagegen, dass die Installationskosten keineswegs gefallen seien. Insbesondere durch die Abwertung des Yen hätten sich die billigeren ausländischen Panele verteuert. In Wirklichkeit gehe es dem METI darum, den Solarstrom zu drosseln, meinen die Freunde der Sonnenenergie.

Denn die Beamten in Kasumigaseki wurden von der gewaltigen Antragsmenge von fast 66 Gigawatt Kapazität völlig überrascht. Diese Menge ist fast doppelt so groß wie die gesamte in Deutschland installierte Solarkapazität. Tatsächlich installiert wurden in Japan bis Ende März erst 8,7 Gigawatt.

Stromversorger warnen vor Kostenexplosion

Die Gründe sind ein Mangel an Technikern, Verzögerungen bei der Genehmigung, Streitigkeiten um Bebauungsrechte und das Phänomen von Zwischenhändlern, die ihre Anlagen schon vor dem Bau verkaufen möchten.

Die Elektrizitätsversorger, die den Strom abnehmen müssen, sind auch gegen mehr Solarenergie: Ihr Forschungsinstitut behauptet, dass die jährlichen Stromkosten um 1,9 Billionen Yen (14 Milliarden Euro) steigen würden, falls die gesamte beantragte Kapazität ans Netz ginge. Diese Zahl dient natürlich der politischen Abschreckung.

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