Tokio (JAPANMARKT/gtai) – Japan entwickelt weiter Strategien, um trotz Rohstoffarmut seine Wachstumspläne nicht zu gefährden. Laut Statistik der US Energy Information Administration wurde das Land 2012 zum weltweit größten LNG-Nettoimporteur. Bei Kohle liegt es auf Platz 2, bei Erdöl auf Platz 3. Vor allem im LNG-Bereich begibt sich Japan auf Lieferantensuche, um eine regionale Abhängigkeit zu vermeiden und die zukünftige Versorgungssicherheit zu gewährleisten, berichtet Germany Trade & Invest (GTAI).

Abhängigkeit von Rohstoffimporten

Zwangsläufig spielen auch in Japans zukünftigem Energiemix Rohstoffimporte eine entscheidende und kritische Rolle. In ihrem neuen Energieplan, der am 11 April verabschiedet wurde, stellt die Regierung klar, dass sie in den kommenden Jahren auf eine Kombination aus Kernkraft, erneuerbaren und fossilen Energieträgern setzt. Vor dem Hintergrund der drückenden Staatsverschuldung arbeitet die Regierung an einer langfristig tragbaren Beschaffungsstrategie. Außerdem soll die Rohstoffsuche regional ausgeweitet werden, da durch eine zu starke Konzentration auf Nahost die Versorgungssicherheit gefährdet erscheint.

Bei der Umsetzung der staatlichen Pläne spielt die Japan Oil, Gas and Metals National Corporation (JOGMEC) eine entscheidende Rolle. Sie steuert die notwendige nationale Lagerhaltung, leistet technische Hilfe bei der Erschließung neuer Ressourcen oder bei der erforderlichen Errichtung infrastruktureller Rahmenbedingungen. Ebenso fördert sie die Beschaffung von Eigenkapital oder Kreditgarantien.

Die Industrie des rohstoffarmen Landes ist auf derartige Unterstützung dringend angewiesen. Die Federation of Electric Power Companies of Japan (FEPC) kalkuliert, dass im Fiskaljahr 2012/13 (1.4. bis 31.3.) rund 96 Prozent der Primärenergie von importierten Energieträgern generiert wurden. Mit Berücksichtigung von Kernkraft läge dieser Einfuhranteil immer noch bei 82 Prozent, heißt es.

Ausländische LNG-Quellen mit Perspektiven

Vor allem Erdgasprojekte rücken in den Vordergrund. Im LNG (Liquid Natural Gas)-Bereich sorgt die Beteiligung der Mitsubishi Corporation am Flüssigerdgas-Exportterminal im kanadischen Kitimat für Schlagzeilen. Das Joint Venture LNG Canada wurde Ende April 2014 offiziell gestartet. Neben Mitsubishi sind Shell Canada Energy, die PetroChina Corporation sowie die Korea Gas Corporation (KOGAS) dabei. Die Mitsubishi Corporation fertigt eigenen Angaben zufolge etwa 40 Prozent der japanischen LNG-Importe ab. Vergleichbare Investitionen in die Exportinfrastruktur für LNG im Ausland hat das Unternehmen bereits unter anderem in Australien, Indonesien, Russland oder Nordamerika aufgebaut.

Japanische Unternehmen sind weiterhin auch stark an neuen Engagements in den USA interessiert, um die zukünftigen Lieferungen mit LNG frühzeitig sicherstellen zu können. Im Februar 2014 unterzeichneten die Sumitomo Corporation sowie Tokyo Gas ein Joint Venture über eine LNG-Aufbereitungsanlage und LNG-Vertriebsgesellschaft im US-amerikanischen Bundesstaat Maryland. Über die Pacific Summit Energy LLC (100 Prozent im Besitz der japanischen Sumitomo Corporation) sollen jährlich etwa 2,3 Mio. t der Dominion Cove Point LNG (Betreiber-Joint-Venture) verschifft werden. Im Jahr 2017 dürften japanische Abnehmer von den ersten Lieferungen profitieren. Im Juni 2014 erhielt in den USA das Cameron-LNG-Vorhaben grünes Licht, bei dem es um ein Exportvolumen von 12 Mio. t pro Jahr geht. Sempra Energy soll 50,2 Prozent der Anteile an dem Vorhaben halten, an dem die Mitsubishi Corporation sowie Mitsui mit jeweils 16,2 Prozent beteiligt sind.

Konkurrenz um Rohstoffe mit China

Mit den Zielen der „Trans Pacific Partnership“ sowie die Absicherung der zukünftigen Rohstoffversorgung begab sich Premierminister Shinzo Abe im Juli 2014 auf Ozeanien-Tour nach Australien, Neuseeland und Papua Neu Guinea. Seit Jahresbeginn importiert Japan LNG aus Papua Neu Guinea und möchte eine längerfristige Versorgung sicherstellen. Japan ist zwar gegenwärtig der größte LNG-Abnehmer dort, allerdings versucht die Konkurrenz aus der VR China verstärkt, diese Quelle anzuzapfen.

Immer wieder sitzt die Konkurrenz aus der VR China Japan bei der Rohstoffbeschaffung im Nacken. Im Erdgasbereich steht bei beiden Russland als potenzieller Lieferant hoch im Kurs. Hier starteten im Sommer 2013 intensive Kooperationen zwischen Gazprom und der Japan Far East Gas Corporation, an der die japanischen Unternehmen ITOCHU Corporation, Japan Petroleum Exploration Co. (JAPEX), die Marubeni Corporation sowie die INPEX Corporation maßgeblich beteiligt waren.

Dabei ging es um das zukunftsträchtige Vladivostok LNG Projekt. Nachdem die Verhandlungen im Sande verliefen, sollen nun chinesische Investoren zum Zuge kommen. Die Marubeni Corporation verhandelt indes ebenfalls mit der russischen Rosneft Oil Company über Lieferverträge, die jährlich 1,25 Mio. t an LNG umfassen und im Jahr 2019 starten sollen. Entsprechende Kooperationsvereinbarungen wurden 2013 vereinbart.

Kohle aus der Mongolei

Im Juli 2014 unterzeichnete Japan ein Freihandelsabkommen mit der Mongolei und verspricht sich aus dieser Partnerschaft Zugriff auf Kohle und andere Rohstoffe. Im Gegenzug hat es die Mongolei in erster Linie auf zollfreie Gebrauchtwagen aus Japan abgesehen. Südamerika steht ebenfalls auf der Liste der Länder, bei denen eine politische Flankierung für zukünftige Rohstoffprojekte effizient gestaltet werden soll. In neuen Märkten hat Japan zusätzlich gute Chancen durch Exporte von Technologie und Ausrüstungen zu profitieren.

Rohstoffimporte werden kostspieliger

Statistiken des Ministry of Finance zufolge importierte Japan im Jahr 2013 Erdöl im Wert von 14,25 Billionen Yen. Das entsprach zwar gegenüber dem Vorjahr einer Wertsteigerung von 16,3 Prozent. Rein von der Menge her betrachtet wurde allerdings ein Rückgang um einen halben Prozentpunkt registriert. Die fünf größten Öllieferanten waren Saudi Arabien (4,52 Billionen Yen), die VAE (3,25 Billionen Yen), Katar (1,79 Billionen Yen), Kuwait (1,02 Billionen Yen) und Russland (0,99 Billionen Yen).
Im Fall von LNG stieg 2013 bei nahezu gleichbleibender Menge der Einfuhrwert um 17,5 Prozent gegenüber 2012 auf rund 7,06 Billionen Yen.

Wie bei Erdöl bleibt die Rangliste der Lieferländer auf Grund vertraglicher Bindungen auch bei Flüssiggas weitgehend konstant. Die drei größten Lieferanten waren 2013 Katar (Einfuhrwert: 1,36 Billionen Yen), Australien (1,35 Billionen Yen) sowie Malaysia (1,29 Billionen Yen). Daneben wurden Russland (0,61 Billionen Yen) und Indonesien (0,55 Billionen Yen) als Rohstoffversorger genutzt. Einer FEPC-Statistik zufolge kam 2012/13 ein Anteil von 63 Prozent an Japans Erdgasnachfrage aus dem Energiesektor. Etwas mehr als ein Fünftel entfiel auf die Industrie, knapp 10 Prozent auf private Haushalte. Insgesamt belief sich der LNG-Konsum auf 4,4 Billionen Kubikfuß. Das waren etwa 50 Prozent mehr als im Jahr 2000.

Von den LPG („Liquefied Petroleum Gas“)-Importen im Wert von 1,07 Billionen Yen, kam ein Anteil von 28,1 Prozent aus Katar, 24,4 Prozent aus den VAE, 13,2 Prozent aus Saudi Arabien, 11,7 Prozent aus Kuwait und 10,2 Prozent aus Australien. Kohle ist im neuen Energieplan der Regierung weiterhin als Basis-Energiequelle sehr präsent. Der Ausbau von „Clean Coal Technologies“ soll bei Projekten im Ausland. gefördert werden. Die japanischen Kohleimporte blieben 2013 im Vergleich zum Vorjahr in etwa konstant und erreichten einen Wert von 2,31 Billionen Yen. Der Großteil davon kam mit 64,3 Prozent aus Australien. Außerdem reihten sich Indonesien (Lieferwert: 370 Mrd. Yen), Kanada (152 Mrd. Yen), Russland (139 Mrd. Yen) und die USA (100 Mrd. Yen) in die Einfuhrstatistik ein.

Text: GTAI, Photo: LNG Tanker in Sachalin (flickr/Shell)