Tokio (JAPANMARKT/mf) – Mehr als 14 Millionen Fahrzeuge von elf Herstellern, darunter mehr als 1,8 Millionen Autos von BMW, wurden bislang wegen möglicherweise tödlichen Airbags in die Werkstätten gerufen. Bei einem Unfall kann der Zünder des Airbags explodieren und lebensgefährliche Verletzungen durch heiße Metallsplitter verursachen. Die Gefahr ist seit zehn Jahren bekannt, aber lange Zeit konnte Hersteller Takata das Problem unter der Decke halten.

Tod durch Airbag-Metallsplitter

Im Dezember 2009 stieß ein Honda Accord mit einem Postauto in Richmond in den USA zusammen. Der Zünder des Airbags explodierte. Metallsplitter zerstörten den Luftsack selbst und verletzten die Fahrerin Gurji Rathore so schwer am Nacken und der Brust, dass sie vor den Augen ihrer drei Kinder verblutete. So stellt es ihre Familie in einer Anklageschrift dar.

Bei Honda werden insgesamt zwei Todesfälle und über 30 Verletzungen mit geplatzten Airbags in Verbindung gebracht. Beschwerden von Nutzern anderer Marken summieren sich auf mindestens 139 Verletzte, darunter 37 Menschen, bei denen ihre Airbags Chemikalien und Metallsplitter versprühten, wie die New York Times jetzt in einer Aufarbeitung der Affäre berichtete.

Takata sieht mehrere Ursachen

Doch nach dem ersten Vorfall im Jahr 2004 wurde die Öffentlichkeit weder von Honda noch von Takata alarmiert. Laut dem Bericht in der NYT enthüllte Honda die Gesamtzahl von Toten und Verletzten durch den Airbag erst im Dezember 2011 in einem vertraulichen Bericht an die US-Verkehrssicherheitsbehörde. Das geschah in Zusammenhang mit dem fünften Rückruf wegen der Airbags.

Die Erklärungen von Takata für die explodierenden Airbags änderten sich im Laufe der Zeit: Zunächst machte man feucht gewordene Chemikalien dafür verantwortlich. Später soll es ein Problem bei der Weiterverarbeitung der Explosivmittel gegeben haben. Zuletzt soll eine Maschine fehlerhafte Chemikalien nicht aussortiert haben.

BMW wähnte sich in Sicherheit

Nach Angaben der New York Times hatte BMW im März 2010 bei Takata angefragt, warum man glaube, dass die Airbags in den eigenen Fahrzeugen sicher seien. Darauf teilte der japanische Hersteller dem bayerischen Autobauer mit, die Airbags für BMW seien mit einem anderen Produktionsfahrplan als die Airbags für Honda hergestellt worden.

Doch im Vorjahr revidierte Takata diese Einschätzung und warnte BMW vor einer möglichen Explosionsgefahr. Zuletzt mussten die Münchner im Juli 1,6 Millionen Fahrzeuge zurückrufen. BMW ist der einzige betroffene deutsche Hersteller. Zurückgerufen wurden bisher Fahrzeuge von Toyota, Nissan, Ford, Chrysler, General Motors, Subaru, Mazda, Mitsubishi und Isuzu.

Foto: Demonstration von Airbag (Takata)