Tokio (JAPANMARKT/pb) – Der Fukushima-Betreiber Tokyo Electric Power (TEPCO) träumt von einem Neustart seiner Atom-Anlage Kashiwazaki Kariwa in Westjapan mit sieben Reaktoren und acht Gigawatt Kapazität. Dann wäre Japans größter Stromkonzern saniert und hätte wieder eine Zukunft. Dummerweise steht ein dickköpfiger Politiker mitten im Weg.

Fukushima-Unfall aufklären

Der Gouverneur der Präfektur Niigata, Hirohiko Izumida, seit elf Jahren im Amt, ist der wohl schärfste Kritiker von TEPCO, der Betreibes des harvarierten Atomkraftwerks Fukushima Daiichi. Unverdrossen verlangt der Gouverneur eine vollständige Aufklärung der Fukushima-Katastrophe. Der Unfall sei bisher nicht genügend aufgearbeitet worden.

Izumida stellt dazu radikale Forderung. Es müssten die Schuldigen dafür gefunden werden, warum die Kernschmelzen zwei Monate lang verborgen wurden bzw. nicht bestätigt wurden, anstatt die Verantwortung und den Täter im Nebel zu lassen. Außerdem müsse das Hauptquartier von TEPCO direkt neben den großen Atomkraftwerken liegen, damit schneller reagiert werden kann.

Liste von Sicherheitsbedenken

Jetzt stellte Izumida seine Sicherheitsbedenken gegen die neue Atompolitik und das weltgrößte Atomkraftwerk in Kashiwazaki-Kariwa öffentlich vor. (Ein Protokoll der Pressekonferenz erhalten Sie hier.)

Erstens beklagt er die verringerten Kompetenzen der neuen Atomaufsichtsbehörde Nuclear Regulatory Commission. Die NRC sei auf technische Fragen beschränkt und scheue vom Management von Atomunfällen zurück. Es gebe auch keine vierte und fünfte Verteidigungslinie gegen Unfallfolgen, wie sie von der Internationalen Atombehörde in Wien gefordert werden.

Es fehle an Unterstützung für Anwohnergemeinden und es gebe ferner keine Gegenmaßnahmen für den Fall einer Kernschmelze. Izumida fragt offen, wer während einer Krise die Entscheidungen trifft, etwa über die Einleitung von Seewasser als Kühlmittel. Die Entscheidungsträger der Stromkonzerne seien für solche Krisen nicht ausreichend vorbereitet.

Bessere Notfall-Vorbereitung

Izumida verlangt auch eine Vorbereitung für Notfälle mit hoher Strahlung. Die Arbeitsgesetze müssten entsprechend geändert werden. Es müsste Einsatzteams geben, die dann aktiv werden. Der Niigata-Gouverneur hat auch Sicherheitsbedenken bei der Evakuierungspolitik. Natur- und Atomkatastrophen müssten rechtlich gleich behandelt werden.

Izumida verwies auf die Probleme beim Erdbeben im Juli 2007. Die Atomanlage Kashiwazaki Kariwa war 20 Kilometer vom Epizentrum entfernt. Der Boden der Kraftwerksanlage sackte 1,5 Meter ab. Dabei kam es zu einem Feuer in einem Transformator. Die Hotline zwischen Gouverneursamt und dem AKW war funktionslos, weil durch die Bodenverschiebung das Telefon auf AKW-Seite nicht mehr zugänglich war.

Auf wiederholten Wunsch von Izumida hat TEPCO inzwischen ein seismisch isoliertes Gebäude für eine sichere Verbindung zum Gouverneur gebaut. Auf Druck von Izumida installierte TEPCO eine solche Verbindung auch im AKW Fukushima Daiichi. Sie wurde acht Monate vor der Dreifachkatastrophe vom März 2011 fertig. Hätte es diese Hotline für eine Kommunikation mit dem Atomkraftwerk nicht gegeben, so erklärte Izumida, dann wäre der Großraum Tokio heute womöglich unbewohnbar.

Foto: Screenshot Youtube