Tokio (JAPANMARKT/pb) – Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ist bekannt für ihr deutsch-japanisches Doppel-Master-Programm mit der Keio-Universität. Doch der Fachbereich Japanologie könnte einer Konsolidierung der Studienfächer im Bundesland Sachsen-Anhalt zum Opfer fallen. Dagegen wehren sich jetzt Studenten und andere Japan-Freunde.

Online-Petition für Japanologie

Eine Online-Petition äußert die Befürchtung, dass der Fortbestand der Japanologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg gefährdet ist. Die Petition verweist auf den Hochschulentwicklungsplan, der von der Universität als Antwort auf den vom Land verordneten Sparkurs vorgelegt wurde: Darin wird die Japanologie nicht zu den „fördernswerten kleinen Fächern“ gezählt, für die der Bund finanzielle Mittel bereitgestellt hat.

Dagegen verlangen die Unterzeichner der Petition, dass die Japanologie im Entwicklungsplan zusammen mit der Orientalistik und der Ethnologie zu diesen „fördernswerten kleinen Fächern“ gezählt werden soll. Die vorgesehene Eingliederung in das Institut für Politikwissenschaften bzw. die Zusammenlegung mit der Japanologie Leipzig sei nicht hinnehmbar. Beides würde das Ende der Japanologie Halle bedeuten.

Gegen Zusammenlegung mit Leipzig

Die Begründung für diese Einschätzung liefert die Petition gleich mit: In der Politikwissenschaft würde die Japanologie auf ein Minimum reduziert, bspw. als ergänzende Lehrveranstaltung für Politikwissenschaftler. Eine Zusammenlegung mit der Japanologie Leipzig käme einer kompletten Schließung gleich.

Zum einen hat die Japanologie Leipzig gar nicht die personelle und finanzielle Ausstattung, um die hallischen Studenten aufzunehmen, zum anderen ist die fachliche Ausrichtung eine andere – in Halle wird sozialwissenschaftliche Japanforschung betrieben, Leipzig hingegen ist eine klassische Kulturwissenschaft.

Doppel-Master-Programm gefährdet?

Als weiteres Argument nennen die Unterzeichner, dass eine Schließung der Japanologie Halle den Etat der Universität kaum entlasten würde. Die Japanologie werbe nämlich mehr Drittmittel pro Professur ein als alle anderen Fachbereiche in der Philosophischen Fakultät I. Auch sonst sei die Japanologie sehr stark: von den Studentenzahlen her ist sie das viertgrößte Fach in der Philosophischen Fakultät I, was für ein sogenanntes „kleines Fach“ beachtlich ist.

Darüber hinaus hat die Japanologie Austauschprogramme mit sieben japanischen Universitäten darunter die rennomiertesten Universitäten Japans: Tokyo, Keio, Waseda und Sophia. Durch das europaweit einzigartige Doppelmasterprogramm in Kooperation mit der Keio werden zudem Kapazitäten für den deutsch-japanischen Kulturaustausch geschaffen. Eine Schließung der Japanologie würde daher viel Schaden anrichten und wenig bis keinen Nutzen bringen, schlussfolgern die Gegner der Schließung.

Foto: Martin-Luther-Universität Halle (Quelle: MLU Halle)