Tokio (JAPANMARKT/yp) – Schon während der Katastrophe gab es Vorwürfe, die Leiharbeiter im AKW Fukushima würden schlecht behandelt oder ausgebeutet. Diese Zustände scheinen nicht besser, sondern schlimmer geworden zu sein, wie eine Umfrage des Betreibers Tepco selbst ergab.

System von Sub-Unternehmern

Vor allem das System der Sub-Unternehmer, die teilweise zu Yakuza-Gangstergruppen gehören, stand in der Kritik. Teilweise werden die Leih- und Zeitarbeiter über bis zu zehn Firmen weiterverliehen. Angeheuert werden auch Obdachlose.

Doch diese illegalen Zustände bei der Beschäftigung von Leih- und Zeitarbeitern im AKW Fukushima halten weiter an. Betreiber Tepco veröffentlichte jetzt die Ergebnisse einer eigenen Umfrage unter 6.600 solcher Arbeiter. Danach erhalten 30 Prozent von ihnen ihr Geld von einer anderen Firma als von der, mit der sie den Vertrag geschlossen haben.

Das bedeutet: Die Arbeiter werden ohne ihr Wissen an Sub-Unternehmer weitergereicht. Nach japanischem Arbeitsrecht ist das verboten. Außerdem wird es den Arbeitern dadurch erschwert, ihren Anspruch auf die tägliche Gefahrenzulage von umgerechnet 140 Euro durchzusetzen.

Leiharbeiter unklar über Zulage

Dennoch ist der Anteil der Arbeiter, die heimlich weiter verliehen werden, seit der letzten Umfrage um die Hälfte gestiegen. In der letzten Umfrage waren „nur“ 20 Prozent weitergereicht worden.

Damit nicht genug: Bei vielen Arbeitern herrscht auch noch Unklarheit über ihren Anspruch auf eben diese Gefahrenzulage. Tepco hatte diese Zulage vor rund einem Jahr verdoppelt.

Schon eine Reuters-Umfrage im Oktober unter den AKW-Arbeitern hatte diese Unklarheit bestätigt. Denn nicht jeder Arbeiter hat Anspruch auf dieses Geld bzw. auf eine Zulage in dieser Höhe, da nicht jeder Job auf dem Gelände als gefährlich eingestuft wird.

Laut der Tepco-Umfrage sind über 70 Prozent der Arbeiter über die Zulagen-Anhebung aufgeklärt worden. Aber 1.400 der 2.400 Arbeiter, die diese Frage beantworteten, haben keine höhere Zulage bekommen. Möglicherweise werden die Arbeiter von ihren Arbeitgebern bzw. ihren Sub-Unternehmern um dieses Geld betrogen.

Foto: Arbeiter beim Umziehen im AKW Fukushima (Tepco)