Tokio (JAPANMARKT/pb) – Japan war bisher ein ruhiger Markt für sogenannte Taxi-Vermittlungs-Apps auf dem Smartphone. Das hat sich nun geändert. Der SMS-Messenger-Platzhirsch LINE nimmt mit einer eigenen App den Taxi-Service UBER aus den USA ins Visier. Anders als in Deutschland ist Uber in Japan bisher kaum aufgefallen.

Zwei Motive für Vorstoß

Die neue Taxi-App von LINE ist in die Messenger-Software integriert und braucht nur unter dem Button „Line Apps“ aufgerufen zu werden. Für den Taxi-Dienst kooperiert Line mit Nihon Kotsu. Diese große Taxi-Gesellschaft betreibt mehr als 3.300 Taxen in Tokio und landesweit 23.000 Fahrzeuge. Die Zahlungen werden über Line mit Hilfe der mobilen Plattform Line Pay abgewickelt. Man braucht eine japanische Kreditkarte.

Der Vorstoß hat zwei Motive. Zum einen sind Taxi-Apps zum internationalen Hype geworden und helfen dabei, den Marktwert von Jung-Unternehmen vor ihrem Börsengang nach oben zu treiben. Das in Kalifornien gegründete Unternehmen Uber wird – gemessen an den jüngsten Investorenbeteiligungen – mit über 17 Milliarden Dollar bewertet.

Der Hintergrund: Line hat seinen Börsengang schon im Herbst angekündigt, nur der Termin blieb offen. Zum anderen ist das Geschäft mit der Taxen-Bestellung übers Smartphone offenbar lukrativ genug, um darin zu investieren. Ein so mächtiger Dienst Line wollte dieses Potenzial offenbar nicht ignorieren.

UBER auf kleiner Flamme

Uber hatte seinen weichen Start in Japan im November 2013 und bietet den vollen Dienst seit März 2014 an. Die App UberTAXI funktioniert seit August 2014 und wirbt damit, dass seine Taxen Lexus LS und BMW 7 sind. Der UberBLACK-Service startete im März und setzt ebenfalls auf Premium-Fahrzeuge. Auf den Service durch Amateur-Fahrer verzichtet UBER bisher in Japan.

Als Kunden hat UBER mit Blick auf die Olympischen Spiele 2020 offenbar vor allem ausländische Touristen im Blick, die woanders bereits die UBER-App nutzen. Außerdem gibt es noch die britische Taxi-App Hailo in den Metropoeln Tokio und Osaka. Das ist relativ wenig. In anderen Städten in Asien kämpfen auch schon mal zehn Vermittlungs-Apps um die Taxi-Kunden.

Weltweite Expansion möglich

Die Taxi-App von Line zeigt die voraussichtliche Wartezeit und die aktuellen Positionen der Taxen an. Line hat dabei zwei Vorteile: Erstens haben die meisten Japaner bereits Line als SMS-Messenger-App installiert, während sie die Uber-App erst herunterladen müssen. Zweitens hat Uber nur einen wesentlich kleinen Partner in Japan gefunden. Weniger Taxen bedeutet weniger Vermittlungen und damit weniger Bedeutung und Einnahmen.

Die Taxi-App passt in die Gesamtstrategie von Line, die inzwischen eine ganze Bandbreite an Angeboten aufgebaut hat. Dazu gehören nicht nur Spiele, sondern auch eine Anti-Virus-Software, eine Foto-App und die Bezahlfunktion Line Pay. Mit über 560 Millionen Downloads ist LINE weltweit weitaus stärker verbreitet als UBER. Sollte es dem japanischen Betreiber mit seiner koreanischen Mutter gelingen, auch in anderen Ländern Partner für seine Taxi-App zu finden, würde man zu einem ernsthaften Konkurrenten von UBER auf globaler Ebne heranwachsen.

Foto: Screenshot Taxi-App von Line (JAPANMARKT Online)