Tokio (JAPANMARKT/mf) – Zum dritten Mal haben Inspektoren der Atomenergiebehörde IAEA den Fortgang der Aufräumarbeiten im AKW Fukushima untersucht. Diesmal registrierten sie „signifikante Fortschritte“ und erneuerten ihren kontroversen Lösungsvorschlag für das Wasserproblem.

Verringerung der Strahlenwerte

Seit der Katastrophe hat die Internationale Atomenergiebehörde in Wien schon zwei Mal den Fortgang des langfristigen Stilllegungsplans von Tepco vor Ort begutachtet. Der dritte Besuch von 15 internationalen IAEA-Experten, der neun Tage dauerte, endete mit einem positiven Urteil: „Japan hat seit unserer letzten Mission im November/Dezember 2013 signifikante Fortschritte gemacht“, fasste Team-Chef Juan Carlos Lentijo den vorläufigen IAEA-Bericht an die japanische Regierung zusammen (PDF steht hier).

Die fortschreitenden Säuberungen hätten in vielen Bereichen des AKW-Geländes zu einer Verringerung der Strahlenwerte „um mehrere Größenordnungen“ geführt. Lentijo lobte auch die komplette Bergung der abgebrannten Brennstäbe aus Reaktor 4 sowie die – zumindest schon teilweise gelungene – Umleitung des Grundwassers um die Reaktorgebäude herum.

Fehlendes Endlager moniert

IAEA-Team Chef LentijoDas IAEA-Team machte zugleich mehr als ein Dutzend Verbesserungsvorschläge, auch wenn sie diplomatisch zurückhaltend formuliert wurden: „Die Situation bleibt sehr komplex und die Beseitigung des Brennstoffes stellt eine riesige langfristige Herausforderung dar“, betonte der spanische IAEA-Experte.

So müsste Tepco einen integrierten Plan für die Stilllegung der Reaktoren sowie das Abfall-Management entwickeln. Damit spielt die IAEA darauf an, dass Japan weder über Zwischen- noch Endlager für hoch radioaktive Abfälle verfügt. Ein solches Lager würde jedoch für die radioaktiven Abfälle aus der Stilllegung von Fukushima gebraucht. Außerdem drängt die IAEA auf eine nachhaltige Lösung des Wasserproblems. Täglich fallen in Fukushima weiterhin 300 bis 400 Tonnen kontaminiertes Grund- und Kühlwasser an.

Einleitung des Wassers ins Meer

Tanks mit gereinigtem Wasser im AKW FukushimaEin im Herbst in Betrieb genommenes Filtersystem säubert täglich 2000 Tonnen strahlendes Wasser von allen radioaktiven Isotopen bis auf Tritium. Bis Mai – und damit zwei Monate später als geplant – will Tepco das gesamte Wasser gereinigt haben. Die IAEA-Experten wiederholten ihren früheren Vorschlag, das gereinigte Wasser in den Pazifik einzuleiten. „Natürlich müsste dies von allen beteiligten Parteien und der Öffentlichkeit akzeptiert werden“, betonte Lentijo.

Vor allem die Fischer der Region Fukushima sperren sich jedoch gegen eine Verklappung. Daher will Tepco das Wasser noch jahrelang auf dem AKW-Gelände speichern. Man hofft auf eine neue technische Lösung für die Beseitigung des Tritiums, damit die Fischer ihren Widerstand aufgeben. Dabei hält auch die japanische Atomaufsicht NRA die Einleitung des Wassers ins Meer für die beste Lösung.

IAEA-Teamchef Lentijo schloss sich dieser Meinung an: „Tritium hat eine sehr niedrige Giftigkeit und die Auswirkungen auf Menschen sind sehr gering.“ Das gereinigte Wasser stellte bei der Lagerung zwar nur ein geringes Risiko dar, aber langsam gehe Tepco der Platz für neue Tanks aus. Auch die Überwachung der Speicher verschlinge Ressourcen. Das Ablassen von gereinigtem Kühlwasser in die Umgebung sei eine gängige Praxis bei Atomkraftwerken, betonte Lentijo.

Foto: IAEA-Mission vor der neuen Filteranlage im AKW Fukushima (oben); Teamchef Lentijo (Mitte), Tanks mit gereinigtem Wasser (alle: IAEA via flickr)