Tokio (JAPANMARKT/fr) – Die Preisentwicklung in Japan sieht nach einem Rückfall in die Deflation aus, die Japan von 1998 bis 2012 fest im Griff hatte. Aber andere Konjunkturdaten sehen gar nicht nach Deflation aus. Die Sorge vor einer neuen Deflation scheint vorerst unberechtigt zu sein.

Nullinflation überrascht nicht

Die Preise in Japan haben im Februar im Vergleich zum Vorjahr erstmals seit Mai 2013 stagniert, wenn man die Erhöhung der Mehrwertsteuer im April 2014 um drei Punkte auf 8 Prozent herausrechnet. Im Januar waren die Kernpreise (ohne frische Lebensmittel) noch mit einer Rate von 0,2 Prozent gestiegen. Damit gerät das Preisziel der Bank of Japan von 2,0 Prozent noch mehr außer Reichweite.

Doch der Rückgang der Inflationsrate auf 0,0 Prozent war von der Notenbank selbst vorhergesagt worden. Die Währungshüter begründen dies mit den Basiseffekt durch den fallenden Ölpreis. So werden zum Beispiel demnächst die Versorger die Strompreise senken. Doch BoJ-Gouverneur Haruhiko Kuroda verweist darauf, dass der positive Trend bei der Inflationserwartung weiter anhalte.

Die meisten Konjunkturdaten deuten ebenfalls nicht auf eine neue Phase der Geldaufwertung hin. Erstens blieb die Inflationsrate, die auch die Energiekosten unberücksichtigt lässt, nach +0,4 Prozent im Januar mit +0,3 Prozent im Februar weiter im positiven Bereich. Diese Rate wird von der US-Notenbank für ihr Inflationsziel benutzt.

Steuererhöhung verzerrt Statistik

Zweitens bleibt Arbeit in Japan weiter knapp. Im Februar ging die Arbeitslosenrate um 0,1 Punkte auf 3,5 Prozent zurück. Auf 100 Bewerber kamen 115 offene Stellen, im Januar waren es 114. Es herrscht also nahezu Vollbeschäftigung. Japans Konzerne haben zudem die größten Lohnerhöhungen seit Jahren angeboten. Die Exporte steigen seit sechs Monaten hintereinander. Die Regierung hatte daher am 23. März ihre Bewertung der Konjunktur erstmals seit acht Monaten angehoben.

Nur der elfte monatliche Rückgang der Haushaltsausgaben in Folge, diesmal um 2,9 Prozent zum Vorjahr, könnte die Furcht vor Deflation wecken. Dazu passt der um 1,8 Prozent geschrumpfte Umsatz im Einzelhandel. Doch im Vorjahr hatten die Verbraucher wegen der bevorstehenden Mehrwertsteuererhöhung viele Käufe vorgezogen. Gegenüber dem Vormonat wuchsen die Haushaltsausgaben im Februar um 0,8 Prozent. Vorerst sieht es nicht nach einer neuen Deflation aus.

Foto: Bucht von Tokio mit Skyline flickr/Andrew K. Smith)