Tokio (JAPANMARKT/fr) – Der japanische Werkzeugmaschinenbauer DMG Mori Seiki hat seinen namensgleichen Bielefelder Partner übernommen: Nach Ablauf der Annahmefrist für das Übernahmeangebot halten die Japaner knapp 51 Prozent der früheren Gildemeister. Masahiko Mori, Chef der japanischen Seite, hat damit sein Ziel erreicht. Aber wer ist dieser Manager?

Strategischer Denker

Der 53-jährige Chef der japanischen DMG Mori Seiki (ab dem 8. Mai dann DMG Mori), dem 2,7 Prozent der Familienfirma gehören, zählt zur kleinen Elite der globalisierten Manager in Japan. Der Vater von zwei Söhnen spricht gut Englisch, ist leidenschaftlicher Unternehmer und kennt sich als promovierter Ingenieur auch in den operativen Niederungen bestens aus. Deutsche und Schweizer Hersteller seien seine Vorbilder, weil sie nach Präzision strebten.

Das Knowhow von Mori kam jedoch zunächst nicht der Familienfirma zugute. Wegen seines strengen Vaters flüchtete er früh von zuhause und arbeitete zunächst acht Jahre für das Handelshaus Itochu. Gerade freute er sich mit seiner Frau über das Angebot einer Versetzung nach Düsseldorf, als ihn die Familie doch in die Pflicht nahm.

Chef in jungen Jahren

Die Firma Mori Seiki wurde 1948 von drei Mori-Brüdern gegründet – Seiki ist die Abkürzung des japanischen Worts für Präzisionsmaschinen. Zuerst wurde sie von seinem Onkel und dann von seinem Vater Yukio Mori geleitet. Doch der alte Mori hatte früh gesundheitliche Probleme und berief deswegen seinen Sohn als Nachfolger. Schon 1999 überließ er dem damals erst 37-Jährigen den Chefsessel.

Dann kam die schicksalshafte Begegnung mit Gildemeister-CEO Rüdiger Kapitza. Der sechs Jahre ältere Deutsche fand in Mori Seiki einen starken Partner, um über eine Kapitalverschränkung teure Bankkredite abzulösen. Und der Japaner rechnete sich kühl die Chance aus, im Verbund mit Gildemeister zum Weltmarktführer zu werden.

Keine „Fusion unter Gleichen“

Nach innen Synergien nutzen, nach außen den Weltmarkt optimal ausschöpfen – so sind die beiden Firmen seit dem Frühjahr 2009 bei Vertrieb, Marketing und Forschung immer enger zusammengewachsen. Zuletzt wurde eine gemeinsame Steuerung für die Maschinen entwickelt.

Eigentlich hatte Kapitza stets eine „Fusion unter Gleichen“ bis 2020 in Aussicht gestellt. Da Gildemeister deutlich ertrags- und finanzstärker ist, hätte dies in letzter Konsequenz eine Übernahme der Japaner bedeutet – für den Familienunternehmer Mori nicht tragbar.

Also handelten Mori und Kapitza eine Übernahme aus. Sollten die Japaner einmal mehr als 75 Prozent der Anteile bekommen, würde Kapitza die deutsche Mori Seiki noch einige Jahre leiten und dann den Vorsitz des Verwaltungsrates übernehmen. Für seine Hobbys Rudern und Golfen dürfte Mori dann noch weniger Zeit haben.

Foto: DMG Mori Seiki