Tokio (JAPANMARKT) – Zum US-Dollar pendelt der Yen in diesem Jahr bisher in einem engen Band. Zum Euro kam es zunächst zu einer kräftigen Aufwertung. Dabei könnte es trotz der laufenden Gegenbewegung bleiben, meinen die Analysten von Raiffeisen Research. JAPANMARKT Online dokumentiert ihre Analyse in Auszügen.

Hat sich die Yen-Abwertung ausgelaufen?

Raiffeisen Research geht davon aus, dass sich der Yen-Abwertungstrend zum USD über den gesamten Jahressverlauf 2015 weiter fortsetzen wird. Dies könnte wieder in Wellen passieren, deren Timing aber schwierig zu prognostizieren ist. Als wesentliche Gründe werden genannt:

1. Die Unterschiede in der geldpolitischen Haltung zwischen der US-Fed und der BoJ schwächen den Yen. Da bis auf weiteres mit keinen geldpolitisch aktiven Schritten seitens der BoJ zu rechnen ist, wird die Fortsetzung des Yen Abwertungstrends vor allem von einer ersten Zinserhöhung in den USA über eine weitere USD-Stärke verursacht werden.

2. Japan hat Schwierigkeiten sein Wirtschaftswachstum auf Kurs zu halten und auch der makroökonomische Datenkranz (Verschuldung, Defizite, Leistungsbilanz) spricht für eine schwächere Währung.

3. Auch wenn zuletzt ein wirtschaftspolitischer Berater von Premierminister Shinzo Abe die Meinung vertreten hat, dass der Yen bei aktuellem Niveau am oberen Ende einer Komfortzone angelangt sei, gehört ein schwacher Yen zur impliziten wirtschaftspolitischen Zielsetzung der Regierung. Eine schwache Währung sollte die Exporte stimulieren und über höhere Importkosten die Inflationsraten nach oben bringen.

Vorhersage für Euro / Yen

Auf ein Jahr gesehen dürfte sich ein Wechselkursband von 120-130 Yen pro USD etablieren. Zum EUR entspräche dies, unter den gegebenen EUR/USD Schätzungen, einem EUR/JPY Kurs von bis ca. 124, was vom derzeitigen Startwert einer Yen-Aufwertung entspricht. Die EUR/JPY Schätzungen ergeben sich über die EUR/USD cross rates und unterliegen somit den Annahmen über den EUR/USD Wechselkurs.

Die technische Analyse ergibt derzeit ein anderes Bild: Der Ausbruch aus der seit Mitte Januar 2015 andauernden Seitwärtsbewegung wird bei 136,68, an deren Hoch, erwartet. Damit würde diese zu einer Trendumkehrformation. Die resultierenden Zielmarken wären dann die obigen, wobei ein weiterer Anstieg bis gegen 145,00 im Bereich des Möglichen wäre. Als Stopp könnte 132,90 (-> 130,00) dienen.

Kurz- bis mittelfristiger Ausblick

Der Japanische Yen hat seit der neuen wirtschaftspolitischen Ausrichtung durch Pre- mier S. Abe zum USD um insgesamt ca. 50 Prozent zum EUR um ca. 35 Prozent abgewertet. Die Abwertung vollzog sich in den letzten Jahren immer in Schüben. Auslöser war meist eine Ausweitung der geldpolitischen Lockerung. Aber auch der starke USD hat dem USD/JPY Wechselkurs deutlich zugesetzt. Bei knapp 122 erreichte der japanische Yen zum USD im März den niedrigsten Wert seit 8 Jahren.

Im Endeffekt werden sich die Geldmengen- und Renditedifferenzen zwischen den USA und Japan weiter vergrößern. Auch wenn sehr viel davon bereits in den Kursen vorweggenommen ist, bleibt ein weiterer Trigger für einen neuerlichen Abwertungsschub die erste Zinserhöhung in den USA. Eine erste US-Leitzinserhöhung (und die daraus abgeleitete USD Stärke) war in der Vergangenheit meist ein Grund für eine darauffolgende Yen-Schwäche gegenüber dem USD.

Aspekte der Währungsentwicklung

Fakt ist, dass die Regierung ein Interesse daran hat, den Yen nicht aufwerten zu lassen, auch wenn namhafte wirtschaftspolitische Berater der Regierung die Meinung vertreten, dass der Yen am oberen Ende einer Komfortzone (=Abwertung) angekommen ist. Ein schwacher Yen begünstigt die Exportentwicklung und treibt die Inflation über höhere Importkosten an. Ein schwacher Yen gehört daher der Meinung von Raiffeisen Research nach auch weiterhin zum impliziten Grundkonzept der japanischen Wirtschaftspolitik. Zwar hat die Notenbank kein Währungsziel, über die Ausweitung der Geldmenge bewirkt sie aber genau diesen gewünschten Abwertungseffekt.

Langfristiger Ausblick

Im November 2014 hat die Ratingagentur Moodys das Länderrating Japans von AA3 auf A1 abgestuft. Begründet wurde der Schritt mit dem Zweifel, dass Japan die mittelfristigen Budgetziele erreichen kann. Das rekordverdächtige Niveau der japanischen Staatsverschuldung und die Schwierigkeiten, diese in einen tragbaren Zustand überzuführen, bergen die Gefahr weiterer Ratingherabstufungen und ergo steigender Zinsen in sich.

Steigende Zinsen erschweren wiederum den Schuldendienst. Gleichzeitig verschlechtern sich Japans Außensalden. Der Leistungsbilanzüberschuss hat sich im letzten Jahr bereits auf nur 0,5 Prozent des BIP reduziert. Die japanische Handelsbilanz hat noch im letzten Jahr aufgrund der hohen Energieimporte ein Minus ausgewiesen; die vor kurzem berich- tete Verbesserung ist hauptsächlich dem gesunkenen Ölpreis geschuldet.

Für Kapitalimporte zur Finanzierung eines etwaigen Leistungsbilanzdefizits wäre das Zinsniveau zu gering, ein höheres Zinsniveau wäre wiederum für den Schuldendienst riskant. Die Quadratur des Kreises kann also nur über einen niedrigeren Yen gelingen, der die Leistungsbilanz über billigere Exporte und teurere Importe wieder verbessern sollte.

Inflationsunterschiede werden kleiner

Ein wesentlicher Grund für die Abwertung bisher war die erwartete Steigerung der Inflationsrate. Mittlerweile sind die Inflationswerte in positives Terrain aufgestiegen und erstmals seit langem sind negative Realzinsen feststellbar; Per se ein weiteres Argument für einen schwächeren Yen. Nach dem Konzept der Kaufkraftparitätentheorie (PPP) wird der faire Wechselkurs einer Währung über die Inflationsdifferenzen berechnet.

Aufgrund der langen Deflationsphase hat sich zu den USA bzw. Eurozone eine beträchtliche Inflationslücke aufgebaut. Demnach wäre der Yen derzeit unterbewertet, das heißt er müsste zum USD längerfristig aufwerten. Steigende japanische Inflationsraten würden nach diesem Konzept – ceteris paribus – eine Verschiebung des Gleichgewichtswechselkurses nach oben (geringere Yen Aufwertung) bewirken.

Quelle: Zins- & Währungsanalyse 6. Mai 2015, Raiffeisen-Research; Foto: flickr/Michael