Tokio (JAPANMARKT/fr) – Japans auflagenstärkste Zeitung Yomiuri gilt als regierungsnah. Umso überraschender kommt ihre massive Kritik am geplanten Stadioneubau für Olympia 2020. Die Liste der Vorwürfe ist lang.

Finanzierung ungeklärt

Die Entscheidung, den Bau zu beschließen, ohne die Finanzierung zu kennen, nennt die Yomiuri Shimbun „lächerlich“ und „unverantwortlich“. Starke Worte für eine Zeitung, die bei einer Auflage von 10 Millionen in der Morgen-Ausgabe normalerweise darauf verzichtet, ihre Leser durch zu deutliche Kommentare aufzuregen.

Ein Komitee aus Sport und Politik will jedoch bald Verträge mit zwei Generalbauunternehmern  unterzeichnen. Die Eile ergibt sich daraus, dass der Neubau im Mai 2019 rechtzeitig zur Rugby-Weltmeisterschaft fertig werden soll.

Das neue Stadion soll 252 Milliarden Yen (1,9 Milliarden Euro) kosten. Das ist vier Mal so teuer das Stadion für Olympia 2008 in Peking und 90 Milliarden Yen teurer als ursprünglich kalkuliert.

Kostenspieliges Design

Die Yomiuri Shimbun macht das spezielle helmartige Design der Architektin Zaha Hadid mit zwei Riesenbögen über dem Stadion für die exorbitanten Baukosten verantwortlich. „Warum wurde diese Basisstruktur nicht in Frage gestellt?“, wundert sich der Kommentator. „Dies ist der klassische Fall eines öffentlichen Bauprojekts, das nicht mehr gestoppt werden kann, sobald es auf den Weg gebracht ist.“

Zwei weitere Kritikpunkte der Zeitung: Erstens sei nicht klar, wer eigentlich für den Stadionbau zuständig ist. Dadurch ließe sich die Verantwortung leicht hin und her schieben. Zweitens stünden die Geldquellen für den Neubau nicht fest. Bisher deckten der geplante Regierungszuschuss und Lotterieeinnahmen nicht einmal ein Viertel der Kosten. Die Yomiuri befürchtet, dass künftige Generationen auf den Kosten sitzen bleiben werden.

Foto: Yoyogi National Gymnasiu, Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 1964  (flickr/David Meenagh)