Tokio (JAPANMARKT/pb) – Machtwort von Japans Regierungschef Shinzo Abe: Das wegen Kosten und Design heftig kritisierte Olympia-Stadion wird nicht gebaut. Die Auswahl geht nun von vorne los. Für die Entscheidung gibt es auch politische Gründe.

„Design wurde immer unbeliebter“

„Wir gehen zurück zum Reißbrett“, erklärte Abe. „Die Kosten sind weit über den ursprünglichen Plan hinaus explodiert und es gab sehr viel Kritik von der Bevölkerung und Sportlern.“ Auch Ex-Premierminister Yoshiro Mori, der das Organisationskomitee leitet, stimmte ein: „Das Design ist immer unbeliebter geworden.“ Er habe den Entwurf nie gemocht, weil er ihn an eine Auster erinnert habe, meinte Mori.

Damit entstehen gleich mehrere Probleme für die japanische Regierung: Erstens muss sie dem Internationalen Olympischen Komitee gegenüber erklären, warum sie nicht das versprochene Stadion baut. Zweitens fehlt nun ein Stadion für die Rugby-Weltmeisterschaft 2019. Ursprünglich sollte das Olympiastadion dafür bereits genutzt werden, doch nun würde es nicht rechtzeitig fertig.

Politisch motivierte Entscheidung

Die Entscheidung von Abe ist auch politisch motiviert. Mit der Verabschiedung der Sicherheitsgesetze am Donnerstag hat seine Regierung viel Porzellan zerschlagen, weil die Bevölkerung und Verfassungsrechtler mehrheitlich dagegen sein. Ein zweites Großprojekt gegen den Willen der Japaner durchzusetzen, wollte Abe nicht riskieren. Mit dem Kurswechsel kann er bei den Menschen punkten.

Das Stadion mit einem Design der irakisch-britischen Stararchitektin Zaha Hadid sollte 252 Milliarden Yen (1,9 Milliarden Euro) kosten. Dabei hatte Zahid ihren ursprünglichen Entwurf bereits um ein Viertel verkleinert. Das Olympiastadion von London 2012 kostet aber „nur“ 640 Millionen Euro. Noch schlimmer. Der Baubeginn wurde beschlossen, ohne dass die Finanzierung feststand (JAPANMARKT Online berichtete).

Heftige Architektenkritik

Das Stadion wird seit zwei Jahren von Architekten und Bürgern gleichermaßen kritisiert und unter anderem mit einem Fahrradhelm und einem Raumschiff verglichen. Der prominente Architekt Arata Isozaki beschrieb das überarbeitete Design als „eine langweilige, langsame Form, wie eine Schildkröte, die darauf wartet, dass Japan untergeht, damit sie wegschwimmen kann“. Die Architektin Zaha Hadid konterte: „Ich mache keine kleinen netten Gebäude.“

Das Hadid-Design hatte eine Expertenjury unter elf Entwürfen ausgewählt. Der Vorsitzende der Auswahlgruppe, der Architekt Tadao Ando, betonte diese Woche, er könne sich die Kostenexplosion nicht erklären. Ursprünglich hätte das Design die Vorgabe von 130 Milliarden Yen erfüllt. Fachleute verweisen darauf, dass seitdem die Kosten von Baumaterialien und Bauarbeitern kräftig gestiegen ist.

Dennoch ist die Verdoppelung der Kosten bei gleichzeitiger Verkleinerung wenig plausibel. Ein Teil der Kosten ist bereits angefallen: Das alte Olympiastadion wurde bereits komplett abgerissen, damit dort ab dem Herbst das neue Stadion hätte entstehen können. Daraus wird jetzt erst einmal nichts.

Foto: Zaha-Hadid-Entwurf für Olympia-Stadion (Japan Sports Council)