Tokio (JAPANMARKT/fr) – Rücktrittswelle bei Toshiba: Der Präsident, der Vize-Chairman, die fünf Generalvollmächtigten und ein beratender Ex-Präsident sind gegangen. Zuvor hatten externe Prüfer „systematische“ und „vorsätzliche“ Bilanz-Manipulationen gefunden.

Drei Präsidenten involviert

Ihren Hut nahmen Hisao Tanaka, Präsident und Chief Executive Officer von Toshiba seit 2013, sowie sein Amtsvorgänger von 2009 bis 2013 und bisheriger Vize-Chairman, Norio Sasaki. Tanaka und Sasaki gelten als die Hauptverantwortlichen für die falschen Gewinnzahlen. Aber die Praxis wurde von Atsutoshi Nishida begonnen, der ebenfalls seinen Hut nahm.

Nishida hatte Toshiba von 2005 bis 2009 geführt und war zuletzt Berater des Verwaltungsrats. Die Funktionen von Tanaka übernimmt vorübergehend der 65-jährige Chairman Masashi Muromachi. Bei der Hauptversammlung im September wird dann eine neue Führung gewählt. Dabei könnte mehr als die Hälfte des Verwaltungsrats mit externen Direktoren besetzt werden.

Ein Drittel des Gewinn falsch

Mit den Rücktritten reagierte Toshiba auf den Untersuchungsbericht einer unabhängigen Kommission unter Leitung eines Ex-Staatsanwalts, wonach die Führung den operativen Ertrag seit 2008 um insgesamt 152 Milliarden Yen (1,1 Milliarden Euro) aufgebläht hatte. Das ist rund drei Mal so viel, wie der Konzern ursprünglich selbst geschätzt hatte, und ein Drittel des Vorsteuerertrags in diesem Zeitraum.

In der Finanzkrise und durch den Fukushima-Unfall geriet Toshiba in Schieflage: Die Geschäfte mit Konsumelektronik brachen ebenso ein wie die Aufträge für neue Atomkraftwerke. CEO Nishida begann damit, die einzelnen Sparten kurz vor Quartalsende unter Druck zu setzen, Kosten und Verluste zu verschieben und Umsätze vorzuziehen.

Hierarchische Toshiba-Kultur

Solche Manipulationen gab es in allen Sparten des Technologiekonzerns, der von Laptops und Fernsehern über spezielle Speicherchips bis zu Atom- und Wärmekraftwerken ein breites Spektrum abdeckt. Dank der frisierten Bilanzen geriet die Toshiba-Führung – anders als Rivale Hitachi – weniger an den Pranger von Aktionären und Banken und vermied eine schmerzhafte Restrukturierung.

Die Gutachter machten die hierarchische Firmenkultur für den Bilanzskandal verantwortlich. Die Top-Manager hätten keinen Widerspruch geduldet. Es habe keine internen Kontrollen gegeben. Dazu kam eine intensive Rivalität von Sasaki mit Tanaka, der seinen Vorgänger beim Gewinn übertreffen wollte.

Mangelnde Selbstkontrolle

Tanaka argumentierte am Dienstag damit, er habe die Fälschungen ja nicht angeordnet. Die Mitarbeiter hätten die Zahlen von sich aus frisiert. Tatsächlich verkündete Tanaka die unrealistischen Geschäftsziele den Spartenleitern intern nur als „Herausforderung“. Doch er und die übrigen Top-Manager kannten und billigten die Schönfärberei.

Das Beispiel Toshiba wirft ein Schlaglicht auf die mangelhafte Selbstkontrolle in japanischen Firmen. In Japan sind Verwaltungsrat und Vorstand in Funktion und Verhalten oft nicht zu unterscheiden. Die Praxis, dass die operativen Manager nach ihrer Amtszeit in den Verwaltungsrat aufrücken, führt leicht dazu, dass Fehler über Jahre konserviert oder verborgen werden. Drei aufeinander folgende Präsidenten von Toshiba machten die Fälschungen auch weiter mit, weil ihre Vorgänger an der Macht und in ihrer Nähe blieben.

Foto: Messestand von Toshiba (flickr/Adrian)