Tokio (JAPANMARKT/jek) – Im ersten Halbjahr 2015 haben die über 65-Jährigen in Japan häufiger die Polizei auf den Plan gerufen als Teenager zwischen 14 und 19. Das hat es seit 1989 nicht gegeben.

Mehr Polizeieinsätze

Nach Angaben der Nationalen Polizeiagentur waren zwischen Januar und Juni 23.656 Senioren über 65 der Gegenstand von Polizeieinsätzen. Wegen Teenagern zwischen 14 und 19 gab es 19.670 Einsätze.

Nach Informationen von Bloomberg hat sich die Kriminalitätsrate der Alten zwischen 2003 und 2013 verdoppelt. 2011 machten sie 16 Prozent aller kriminellen Untersuchungen aus. Das sind sechs Mal so viel wie 20 Jahre zuvor. Jeder fünfte Gefängnisinsasse ist inzwischen über 60 Jahre alt.

Armut als Ursache

Der Anteil der über 65-jährigen an der Bevölkerung in Japan beträgt rund 26 Prozent.
Daran gemessen sind die Alten der Polizei also relativ wenig aufgefallen. Aber die Zahl ihrer Straftaten wächst schneller als ihr Anteil an der Bevölkerung. Einige Soziologen sehen die Ursache auch in Einsamkeit und Isolation.

Nach einem Weißbuch der Regierung von 2012 soll jedoch die Armut der größte Auslöser für Straftaten sein. Volksrenten und Sozialhilfe in Japan sind niedrig. Rentner ohne genügend Einkommen wurden häufig bei Ladendiebstählen erwischt. Aber auch die Zahl der Morde durch Rentner ist von 1992 bis 2011 um den Faktor 50 gestiegen.

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