Tokio (JAPANMARKT/fr) – Der Internationale Währungsfonds verstärkt seinen Druck auf Japan. In seinem jüngsten Länderbericht verlangt der Fonds die Kürzung von Ausgaben, damit der Haushalt tatsächlich bis 2020 saniert ist.

Schulden nicht tragfähig

Der Schuldenberg von Japan sei nicht tragbar und könnte bis 2030 auf knapp 300 Prozent des Bruttoinlandsproduktes steigen. Derzeit sind es etwa 240 Prozent. Zugleich wiederholte der Fonds seine Warnung vom Mai, zu viel Optimismus für Wachstum und Steuereinnahme könnten Zweifel an der Sanierung nähren.

Solche Zweifel könnten zu einem sprunghaften Anstieg der Risikoprämien bei Staatsanleihen führen und dadurch das Finanzsystem und die Konjunktur treffen. Daher verlangt der Fonds von Japan, die staatlichen Ausgaben zu bremsen, die Sonderetats zu begrenzen und ihre Prognosen für Wachstum und Haushalt unabhängig prüfen zu lassen.

Die Warnung des IWF war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Berichts bereits überholt: Die Regierung hatte am Vortag eingestanden, dass die primäre Haushaltslücke (also ohne den Schuldendienst) bis 2020 nicht geschlossen werde. Sie rechnet dann mit einem Defizit von 6,2 Billionen Yen (46 Milliarden Euro) oder 1 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Skepsis bei Inflationsrate

Auch zu den Inflationserwartungen von der Bank of Japan äußerte sich der Währungsfonds eher skeptisch. Die Rate werde mittelfristig nur 1,5 Prozent erreichen, deutlich unter der Zielrate der japanischen Notenbank. Dies sei „herausfordernd“. Daher sollte die Bank of Japan für weitere geldpolitische Maßnahmen Gewehr bei Fuß stehen.

Der Fonds wiederholte seine Forderung an Tokio, die Strukturreformen schneller umzusetzen. Nach Veröffentlichung des Berichts gab der japanische Yen am Devisenmarkt nach. In den Wochen davor hatte sich der Yen gut gehalten, nachdem Gouverneur Haruhiko Kuroda erklärt hatte, weitere Lockerungen der Geldpolitik seien nicht notwendig.

Foto: Tokyo Sky Tree vor dem Sommerhimmel (flickr/jamesjustin)