Tokio (JAPANMARKT/fr) – An Restaurants und Supermärkten in Japans Städten sieht man häufig das Schild スタッフ募集中 (Mitarbeiter gesucht). In einem Blog-Artikel auf der Webseite des IWF wurden jetzt alternative Lösungen für den Mangel an Arbeitskräften untersucht.

Arbeitskräftemangel in einigen Branchen

Der Anteil der offenen Stellen im Verhältnis zu den Erwerbstätigen betrug schon vor zwei Jahren 3,2 Prozent, fast drei Mal mehr als in Deutschland, heißt es in dem Blog-Eintrag. Inzwischen gibt es für Kellner im Restaurant und im Altenpflegebereich drei offene Stellen auf einen Bewerber. Im Baubereich wurde für einige Jobs ein Verhältnis von 6 zu 1 registriert.

Die beiden Experten führen den Mangel an Arbeitskräften auf die schrumpfende Bevölkerung und den Mangel an Fachkräften zurück. Dieser Mangel sei doppelt schlecht: Er senke das Potenzial für mittelfristiges Wachstum und reduziere die Effektivität der expansiven Geld- und Fiskalpolitik, so die Autoren.

Die alternativen Lösungen für dieses Problem wären: Mehr Investitionen in Automatisierung, die Nutzung schlummernder Arbeitskraftreserven unter Frauen und Senioren u.a. durch höhere Löhne und die verstärkte Anwerbung von ausländischen Arbeitskräften. Alle drei Politikansätze würden unter Abenomics verfolgt, so der Blog-Eintrag.

Zurückhaltung in der Immigrationspolitik

Bisher sind nur 0,3 Prozent der Arbeitskräfte in Japan Ausländer, so wenige wie in keinem anderen industrialisierten Land. Der Zuzug werde aber bereits etwas erleichtert. Ausländische Fachkräfte können nun nach Japan kommen, wenn sie über gesuchtes Knowhow verfügen. Ein Expertengremium empfahl kürzlich, diesen Fachleuten bis zu acht Jahre Aufenthaltsrecht zu geben.

Ein zweiter Politikansatz ist die Zulassung von ausländischen Haushaltshilfen in den neuen Sonderwirtschaftszonen. Bisher konnten ironischerweise nur bestimmte ausländische Ansässige in Japan das Visum von ausländischen Haushaltshilfen sponsorn. Nun wird dies auch Japanern ermöglicht. Den am meisten von Arbeitskräftemangel betroffenen Branchen wie Bau und Service hilft das aber wenig.

Ein Grund für die zurückhaltende Ausländerpolitik ist nach Einschätzung der Blog-Autoren die verbreitete Einschätzung unter Beamten, Bürgern und Politikern, dass die sozialen Kosten der Einwanderung größer als der wirtschaftliche Nutzen sind. Laut einer Studie, die von den beiden Autoren zitiert wird, würde sich jedoch zumindest Einwanderung auf Zeit von der Steuerseite her lohnen.

Der Blog-Eintrag kommt zu dem Schluss, dass die Hürden für einen verstärkten Zuzug von ausländischen Arbeitskräften nicht unüberwindbar seien.

Foto: flickr/Justin C.