Tokio (JAPANMARKT/fr) – Der Mitsubishi Regional Jet von Mitsubishi Aircraft hat mit fünf Jahren Verzögerung seinen Jungfernflug erfolgreich absolviert (Video hier). Das erste neue Flugzeug seit fünfzig Jahren soll der Industrie einen Aufschwung bringen. Dabei hilft auch deutsche Technik.

Vorstoß bei Regional-Flugzeugen

Der 35 Meter lange MRJ muss sich im direkten Konkurrenzkampf gegen die etablierten Flugzeugbauer Bombardier aus Kanada und Embraer aus Brasilien durchsetzen. Die Flugzeuge dieser Klasse haben 70 bis 110 Passagiere und bedienen Regionalflughäfen. In verschiedenen Varianten lässt sich der MRJ für bis zu 92 Passagiere bestuhlen.

Warum sollten Fluggesellschaften ihre Regionalflieger jetzt bei Mitsubishi kaufen? Ein Argument ist der besonders geräumige Innenraum aufgrund einer Höhe von 2,03 Meter. Auch sehr große Passagiere können daher im Mittelgang aufrecht stehen. Das wichtigere Argument ist der niedrige Spritverbrauch durch besonders sparsame Triebwerke, die von Pratt & Whitney zugekauft und durch deutsche Technologie so sparsam sind.

Deutsche Triebwerkstechnik

Angetrieben wird der MRJ vom PW1200G aus der PurePower®-Triebwerksfamilie, die Pratt & Whitney gemeinsam mit Deutschlands führendem Triebwerkshersteller MTU Aero Engines realisiert hat. Neben dem MRJ treibt sie – größtenteils exklusiv – vier weitere Flugzeugmuster an: den Airbus A320neo, die CSeries von Bombardier, die zweite Generation der E-Jets von Embraer sowie die MS-21 des russischen Herstellers Irkut.

„Zusammen mit dem V2500 sind die Getriebefan-Programme die wichtigsten Triebwerke im Auftragsbestand“, ordnet MTU-Programmvorstand Michael Schreyögg ein. „Die PW1000G-Triebwerke sind damit für die MTU ein klarer Wachstumstreiber.“ Am MRJ-Triebwerk PW1200G beträgt der MTU-Programmanteil 15 Prozent.

Toyota an MRJ-Hersteller beteiligt

Der erste MRJ wird im Juni 2017 an Japans größte Fluggesellschaft All Nippon Airways ausgeliefert. Es gibt 223 feste Bestellungen, die jüngste davon aus dem Januar von Japan Airlines. Die meisten Maschinen hat die US-Gesellschaft Trans State Holdings bestellt – immerhin 100 Stück. Weitere 184 Optionen wurden unterschrieben. Der Ehrgeiz von Mitsubishi Aircraft ist aber viel größer: In der Lebensdauer des Flugzeugs will man 2.000 Stück verkaufen.

Das Flugzeug soll die japanische Flugzeugindustrie vom Zulieferer für Boeing und Airbus zu einem eigenen Produzenten machen. Das bisher einzige Flugzeug, das Japan nach dem Krieg entwickelt hatte, war die Propellermaschine YS-11. Die Produktion wurde nach 182 Stück im Jahr 1973 eingestellt. Schon damals war Mitsubishi Heavy an der Produktion beteiligt. Diesmal sind auch Toyota Motor und die Handelsgesellschaft Mitsubishi Corp. mit jeweils 10 Prozent beteiligt.

Foto: MRJ beim Erstflug am 11. November (Mitsubishi Aircraft)