Tokio (JAPANMARKT/fr) – Schon vor zwölf Jahren hat Kamikatsu auf der Hauptinsel Shikoku den Entschluss gefasst, den Abfall bis 2020 komplett wiederverwerten. Doch der Weg zu diesem Ziel ist weit.

Wiederverwertung als Prinzip

Kamikatsu gehört zu den schönsten Dörfern Japans und hat knapp 2.000 Einwohnern. Die Hälfte davon ist über 65 Jahre alt. Mangels einer eigenen Abfallentsorgung wurde der Abfall jahrzehntelang auf den Feldern verbrannt, bis die Präfekturverwaltung einschritt. Eine Verbrennungsanlage war zu teuer, also wurde 2003 nach dem Besuch des international bekannten Umweltaktivisten Paul Conett das komplette Abfallrecycling beschlossen.

„Zero Waste“ – das bedeutet: Heute wird der Abfall in Kamikatsu in 34 Kategorien sortiert. Der Aufwand für den einzelnen Bürger ist hoch. Eine Plastikflasche wird in den Plastikteil, die Kappe und das Etikett zerlegt. Insgesamt wird der Müll in 34 Kategorien sortiert. Der Abfall muss zudem gewaschen beim Recyclingzentrum abgeliefert werden. Denn es gibt auch keine Müllabfuhr.

Senioren verlangsamen Umsetzung

Neben der Abfalltrennung wird auch wiederverwertet: Gebrauchte Waren wie Kleidung, Geschirr, Elektroartikel werden kostenfrei abgegeben. Teilweise werden sie repariert und wiederaufgearbeitet und anschließend verkauft. In einem Supermarkt mit 350 Produkten wird seit 2013 auf Verpackungen verzichtet, sondern in vom Kunden mitgebrachte Behälter abgefüllt. Es gibt Stofftaschen und im Dorf aus Zeitungspapier gefaltete Tüten.

Eine deutsche Studie kommt jedoch zu dem Schluss: „Gerade für die alternde Bevölkerung scheint das System in der Praxis schwer umsetzbar – allen Einzelinitiativen und der Integration verschiedener Rehabilitationsmaßnahmen in die Zero Waste-Kampagne zum Trotz.“ Die Studie führt dies direkt auf das hohe Alter der Bewohner zurück. Viele können zum Beispiel ihren Müll nicht mehr selbst abliefern und müssen für die Abholung bezahlen, wenn auch nur einen kleinen Betrag.

Foto: Kamikatsu (flickr/Yuki Shimazu)