Tokio (JAPANMARKT/fr) – Erstmals in der Amtszeit von Premier Shinzo Abe spekulieren internationale Investoren auf eine Aufwertung des Yen. Das wird als Misstrauen in Abenomics verstanden.

Neupositionierung der Anleger

Gemessen an den Devisenkontrakten an der Börse Chicago gibt es wieder mehr Anleger, die auf eine Aufwertung als auf eine Abwertung der japanischen Währung spekulieren. Das dürfte mit der Abwicklung sogenannter Yen-Carry-Trades zusammenhängen, mit denen in den vergangenen Jahren viele Aktiengeschäfte finanziert wurden.

Zugleich ist diese veränderte Positionierung auch eine Reaktion auf die zögerliche Haltung der Bank of Japan bei ihren nächsten geldpolitischen Schritten. Am 18. Dezember hatte die Notenbank ihre Geldpolitik lediglich justiert, aber nicht ausgeweitet. Damals war der Dollar kurzzeitig nach oben gesprungen, bis die Anleger merkten, dass die Wertpapierkäufe gleich geblieben waren.

Misstrauen in Geldpolitik

Inzwischen hat die japanische Devise bereits auf knapp 117 Yen je Dollar aufgewertet. Mit diesem Wechselkurs kalkulieren die japanischen Firmen laut der Tankan-Umfrage der japanischen Notenbank für 2016. Eine Aufwertung über diesen Wert hinaus dürfte ihre Gewinne um so mehr schmälern, je mehr Auslandsgeschäft sie machen.

Die Spekulation auf eine Aufwertung des Yen zeigt auch ein gestiegenes Misstrauen in die Geldpolitik der Bank of Japan und der Wirtschaftspolitik Abenomics im Allgemeinen an. Devisen-Analysten befürchten eine schnelle Aufwertung bis auf 105 Yen/Dollar, wenn die Schwelle bei 115 Yen/Dollar durchbrochen wird. Das würde die Aktienkurse in Japan stark belasten.

Natürlich sind sich auch Regierung und Notenbank dieser Gefahren bewusst. Daher dürfte von ihrer Seite alles getan werden, um eine solche Neupositionierung zu unterlaufen. Der schwache Yen ist eine wichtige Stütze der japanischen Wirtschaft. Zum einen erhöht er die Gewinne der Exportfirmen und zum anderen vergrößert er das japanische Auslandsvermögen und federt dabei die hohen Staatsschulden ab.

Foto: Japanisches Geld (flickr/Karl Baron)