Tokio (JAPANMARKT/fr) – Softbank gehört wohl zu den ungewöhnlichsten Unternehmen in Japan. Jetzt hat der drittgrößte Telekom-Konzern Japans seine Besonderheit erneut unter Beweis gestellt.

Aktienrückkauf gegen den Trend

An der Tokioter Börse herrschte vergangene Woche das große Zittern und Bangen. Die Kurse stürzten schneller ab als an der berüchtigten Börse von Shanghai. Der Yen wertete in rapidem Tempo auf, während der Nikkei jeden Tag tief in die Knie ging. Doch während die anderen Konzerne still blieben, ging ein Unternehmen in die Offensive.

Die Softbank-Gruppe von Masayoshi Son verkündete am Montag einen Aktienrückkauf mit Rekordvolumen. Binnen eines Jahres will das Unternehmen 167 Millionen Aktien – das entspricht jeder siebten Aktie! – erwerben und dafür bis zu 500 Milliarden Yen (3,9 Milliarden Euro) auf den Tisch legen.

Das hört sich nach einer klugen Entscheidung an. Was der normale Anleger nicht weiß: Das Unternehmen hatte Ende September zinspflichtige Verbindlichkeiten von 11,9 Billionen Yen (92 Milliarden Euro) in den Büchern stehen. Wie finanziert man da einen Aktienrückkauf für weitere 4 Milliarden Euro? Über den Cashflow und nicht essentielle Asset-Verkäufe – angeblich.

Softbank-Gründer als Außenseiter

Softbank-Gründer Son blieb immer ein Außenseiter in der japanischen Managerwelt, weil er so unternehmerisch und risikofreudig handelt wie kaum eine andere Firma in Japan. So bezeichnete er den Aktienrückkauf jetzt als „optimal“ – die Aktien seien seit dem Sommer um 28 Prozent gesunken und damit billig.

Das Ganze ist um so erstaunlicher, weil Softbank erst vor wenigen Tagen einen Aktienrückkauf für 120 Milliarden Yen abgeschlossen hatte. Da standen die Aktien noch viel höher. Jetzt für noch mehr Geld noch mehr Aktien zurückkaufen, sollte wohl ein klares Signal an den Finanzmarkt senden, dass die Titel unterbewertet sind.

Wettkampf mit Branchenführer

Zu den charakterlichen Kennzeichen von Son gehört brennender Ehrgeiz. Er möchte allen zeigen, dass er es besser kann als die Konkurrenz. Ein heimliches Motiv für den Aktienrückkauf könnte daher die Ankündigung des großen Rivalen NTT Docomo vor wenigen Tagen von einem Aktienrückkauf von 500 Milliarden Yen gewesen sein, mit dem sich Son immer wieder messen will.

Aber auch ohne diese Geschichte ist und bleibt Softbank einfach ein besonders Unternehmen: Vermutlich als einzige Firma der Welt gibt es einen 300-Jahr-Entwicklungsplan (kein Schreibfehler, es sind dreihundert Jahre). Und Son will als einziger Milliardär an der Spitze eines Unternehmens in Japan seine Nachfolge offenbar einem Ausländer anvertrauen (JAPANMARKT Online berichtete).

Foto: Softbank