Tokio (JAPANMARKT/fr) – Die japanische Regierung will ihre neuen Klima-Ziele erst im Mai verabschieden. Aber die Zielzahlen stehen bereits fest. Die Umsetzung wird nicht einfach sein.

„Günstiges“ Vergleichsjahr

Laut japanischen Medienberichten will die Regierung den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um 26 Prozent gegenüber 2013 verringern. Als Langfrist-Ziel will man eine Verringerung um 80 Prozent bis 2050 schaffen. Dieses Ziel wurde im Klimaabkommen von Paris im vergangenen Jahr festgelegt.

Trotz des Vergleichs mit dem „günstigen“ Jahr 2013, als Japan wegen der abgeschalteten Atommeiler und der Erzeugung von viel Ersatzstrom aus fossilen Brennstoffen relativ mehr Treibhausgase als in den Vorjahren produzierte, dürften die neuen Klimaziele nicht leicht zu erreichen sein. Immerhin war Japan 2014 der sechstgrößte Produzent von Treibhausgasen.

Die japanische Regierung selbst setzt auf drei Faktoren, um die Emissionen zu verringern: Sie will Energie effizienter produzieren, sie will weniger Energie verschwenden bzw. den Stromverbrauch senken, und sie will möglichst viele Atomkraftwerke wieder in Betrieb nehmen. Diese Stoßrichtungen bedürfen jedoch großer Anstrengungen, selbst wenn der Stromverbrauch wie erwartet wegen der sinkenden Bevölkerungszahl weiter sinken wird.

40 Kohlekraftwerke geplant

Laut dem Global Coal Plant Tracker will Japan bis 2030 vierzig neue Kohlekraftwerke bauen. Diese Anlagen werden Kohle effizienter verstromen und dürften auch weniger Treibhausgase produzieren als ältere Kraftwerke dieser Art. Jedenfalls müssen sich die Bauherren dazu freiwillig verpflichten. Zugleich gehen Analysten davon aus, dass die Kohlekraftwerke auch einige abgeschaltete Atommeiler ersetzen werden, die ja gar keine Emissionen produzieren.

Von den 54 Reaktoren vor der Fukushima-Katastrophe sind noch maximal 43 betriebsbereit. Davon dürften die vier Tepco-Reaktoren im AWK Fukushima Daini offline bleiben. Unterm Strich bedeutet dies, dass die Treibhausgas-Emissionen weniger sinken als erhofft. Denn Atomstrom soll bis 2030 mit 20 bis 22 Prozent ungefähr auf den gleichen Anteil wie Strom aus erneuerbaren Quellen kommen.

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