Tokio (JAPANMARKT/fr) – Der Werkzeugmaschinen-Konzern DMG Mori, der frühere deutsche Gildemeister, wird zumindest von den Besitzverhältnissen wie erwartet noch japanischer. Zugleich verlässt der deutsche Bereiter dieses Wegs überraschend die Brücke des Schiffs.

Unternehmensvertrag

Der japanische Mehrheitseigentümer von DMG Mori kündigte in einer Pflichtmitteilung an, seine Anteile auf 75 Prozent erhöht zu haben. Daher wolle man einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag installieren. Die Hauptversammlung, die für den 6. Mai angesetzt war, wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

In diesem Zusammenhang kündigte DMG-Mori-Vorstandschef Rüdiger Kapitza überraschend an, den den Maschinenbauer nach 20 Jahren an der Spitze mit sofortiger Wirkung zu verlassen. Der 61-jährige hatte bei Gildemeister als Lehrling angefangen und den mittelständischen Hersteller aus Bielefeld zu einem Weltkonzern geschmiedet.

Kapitza wolle durch seinen Rücktritt einen personellen Neuanfang ermöglichen, hieß es. Der 61-Jährige hatte seit 1996 an der Spitze gestanden und war damit der am längsten dienende angestellte Chief Executive Officer in einem HDax-Konzern. Er hatte die Kooperation mit der deutlich kleineren Mori Seiki aus Japan ursprünglich eingefädelt und ab März 2009 schrittweise ausgebaut. In seiner Amtszeit hat sich der Börsenkurs verhundertfacht.

Alte Verabredung obsolet

Eigentlich hatte Kapitza einen Vertrag bis Ende 2017. Bei der Übernahme im vergangenen Jahr hatten die Japaner ihren Anteil an der damaligen DMG Mori Seiki auf 51 Prozent erhöht (JAPANMARKT Online berichtete). Bei Erreichen von 75 Prozent sollte der Mori-Seiki-Chef Masahiko Mori Kapitza als Chief Executive Officer folgen und Kapitza auf den Chairman-Posten aufrücken.

Davon ist jetzt keine Rede mehr. Kapitza scheide „im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat“ aus, hieß es in der Mitteilung. Nun darf man gespannt man, ob Mori wirklich den Chefposten übernimmt und ob die deutsche Seite künftig direkt aus Tokio gesteuert wird. Auch eine deutsche Lösung wäre denkbar. Die drei verbliebenen Vorstände sind allerdings erst zwischen 36 und 43 Jahren alt.

Foto: DMG Mori Seiki