Tokio (JAPANMARKT/fr) – Scheinbar gegen jede Logik verteuert sich die japanische Währung Yen. In diesem Jahr summierte sich ihr Anstieg auf mehr als 9 Prozent gegenüber dem Dollar. Das ist schlecht für die Exportwirtschaft, deren Gewinne sinken und ihre Preise nicht mehr so leicht senken kann.

1,5-Jahres-Hoch beim Yen

Der Yen wertete auf Donnerstag weiter auf und erreichte mit 108 Yen/Dollar ein 18-Monate-Hoch gegenüber dem Greenback. Das ist der höchste Stand seit Ende Oktober 2014, bevor die japanische Notenbank ihre Geldpolitik erneut lockerte.

Dennoch ignorierten die Händler und Investoren an den globalen Devisenmärkten die indirekte Warnung von Beamten aus dem Finanzministerium über eine „einseitige“ Bewegung der japanischen Währung.

Die japanischen Unternehmen leisten dabei womöglich selbst ihren Beitrag. Denn traditionell repatriieren sie zum Ende des Finanzjahres Ende März, Anfang April ihre Auslandsgewinne. Zugleich sichern sie sich über Hedging gegen eine Aufwertung des Yen im neuen Geschäftsjahr ab.

Vorwurf des Währungskriegs

Eigentlich fällt der Yen, wenn die Kurse an den großen Handelsplätzen für Aktien wie der Wall Street steigen. Aber in diesem Jahr blieb der Yen fest, obwohl die US-Indizes Dow Jones und S&P 500 ihre bisherigen Verluste in diesem Jahr wettmachten.

Der mögliche Grund: Viele Devisenanleger unterstellen, dass Japan sich als Gastgeber des G-7-Gipfels Ende Mai keinen Währungskrieg vorwerfen lassen möchte. Daher würden weder die Bank of Japan bei ihrer nächsten Sitzung Ende April die Geldpolitik lockern noch die japanische Regierung ihre Andeutungen über eine Intervention am Devisenmarkt wahrmachen.

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