Tokio (JAPANMARKT/fr) – Die Japaner und ihr Verhalten passen häufig nicht in die Klischees, die in Deutschland über die Inselnation im Umlauf sind. Dafür liefert Matthias Reich in dem neuen Buch „Was Sie dachten, niemals über Japan wissen zu wollen“ zahlreiche unterhaltsame Beweise.

Sachkundige Alltagsnotizen

Es gibt schon viele Bücher über Alltag, Kultur, Politik und Wirtschaft in Japan. Manche sind mit unangenehmer Arroganz, andere mit übertriebener Nachsicht verfasst. Matthias Reich gelingt trotz lockerer Sprache die Gratwanderung zwischen liebevoller Nähe und kritischem Abstand und unterhält dabei ohne Bevormundung und Belehrung. Das überrascht wenig: Mit derselben Haltung verfasst der Autor schon seit vielen Jahren unter dem Alias „Tabibito“ (Reisender) das bekannteste deutsche Japan-Blog.

Reich kam zum ersten Mal 1996 als Geografie-Student nach Japan und hat dort seit 2005 seinen Wohnsitz. Mit japanischer Frau und zwei Kindern lebt der Leiter eines kleinen Internet-Unternehmens in Kawasaki. Seine Nähe zum Alltagsleben der Japaner ist hinter vielen Beobachtungen zu spüren.

Das macht das Buch wertvoll sowohl für Touristen, die sich auf einen Japan-Besuch einstimmen wollen, als auch für langjährige Japan-Kenner. Für jeden potenziellen Japan-Interessenten hat Reich Neues und Unbekanntes in petto, beispielsweise zu der Abrechnungswillkür in gehobenen Restaurants, der Geschäftemacherei mit der Gemeinnützigkeit, der harten Arbeitswelt der Rentner-Taxifahrer und den vielen Zusatzstoffen in japanischen Lebensmitteln.

Unterhaltsam-provokante Thesen

Die Überschriften der 55 Kapitel sind teilweise als provokante Thesen formuliert, die passionierte Japan-Verehrer auf die Palme bringen dürften. Reich spießt den Aberglauben der angeblich hochtechnisierten Japaner auf, wundert sich über die ungebrochene Liebe zum Fax-Gerät im 21. Jahrhundert und erklärt die soziale Position der Frau anhand der Bedeutung von Schriftzeichen.

Augenzwinkernd macht er sich darüber lustig, dass man für eine Unterhaltung nur vier Wörter Japanisch brauche, nämlich oishii (lecker), samui (kalt), atsui (heiß) und sugoi (wahlweise ‚total‘ oder ‚geil‘), weil Japaner am liebsten über Essen und Wetter reden. Aber Reich untersucht auch die seltsame Arbeitsmentalität der Salariman (Angestellte), das verbreitete Unwissen über Verhütung und die Instrumentalisierung der Kirschblüte für Trinkgelage.

„Mein Buch soll kein Herumgekrittel an Japan sein, sondern eine kurze, präzise, mitunter humorvolle Beschreibung der Dinge, die in Japan nun einmal anders laufen“, sagte Reich JAPANMARKT ONLINE. Sein Buch erscheint im kleinen Conbook-Verlag in einer Reihe, die Länder-Klischees genauer beleuchtet, um die Leser mit überraschendem Wissen zu bereichern und zu unterhalten. Das ist Matthias Reich mit dem Japan-Buch der Reihe auf überzeugende Weise gelungen.

Foto: Ausschnitt aus dem  Buch-Cover (Conbook-Verlag)