Tokio (JAPANMARKT/fr) – Japans Premierminister Shinzo Abe und Bundeskanzlerin Angela Merkel waren sich bei ihrem Treffen auf Schloss Merseburg bei Berlin über eine Stärkung des wirtschaftlichen Wachstums einig. Abe versprach Strukturreformen, Merkel setzte auf konjunkturelle Impulse durch die Flüchtlinge.

Dreiklang und Abenomics

Der G7-Gipfel in Ise-Shima in Japan soll eine „starke Botschaft“ für eine Ankurbelung des globalen Wachstums senden, sagte Abe nach dem Treffen mit Merkel am Mittwoch. Abe wörtlich: „Wir brauchen eine Beschleunigung hinsichtlich des Strukturwandels und benötigen dann auch eine expansive Fiskalpolitik. Für die Haushaltskonsolidierung ist es wichtig, dass die Wirtschaft gesundet.“

Merkel hält davon allerdings nicht so viel, ihr Finanzminister Wolfgang Schäuble ist stolz auf seine schwarze Null und manche Mehreinnahmen. Aber die Kanzlerin löste den Konflikt geschickt, indem sie von den „drei Pfeilen der Abenomics“ zu einem „Dreiklang“ aus Strukturreformen, Investitionen und der Geldpolitik der Notenbanken, ergänzt durch eine solide Haushaltspolitik, schwenkte.

Wörtlich sagte die Kanzlerin bei der Pressekonferenz: „Für mich ist wichtig, dass wir die gute Balance eines Dreiklangs haben: Erstens haben wir die Strukturreformen. Zweitens haben wir die unabhängige Geldpolitik der Zentralbank; die Geldpolitiken der großen Notenbanken sind auch aufeinander abgestimmt. Drittens haben wir den Pfeiler der Fiskalpolitik und die Frage der Investitionen.“ Die deutsche Wirtschaft habe mit den Flüchtlingen einen neuen Nachfrageimpuls erhalten und investiere ohnehin mehr.

Warnung vor Wechselkursen

Sowohl Abe als auch Merkel zeigten sich interessiert an einem Abschluss des Freihandelsabkommens zwischen der Europäischen Union und Japan. Abe hatte zuvor in Brüssel darauf gedrungen, dass die Verhandlungen bis zum Jahresende erfolgreich abgeschlossen würden. Derzeit stocken die Gespräche. Einigkeit herrschte auch bei den Wechselkursen. Angesichts der Stärkung von Yen und Euro gegenüber dem Dollar warnten beide Regierungschefs vor zu großen Schwankungen der Kurse.

„Die vergleichsweise Stabilität der Währungen zueinander ist ein hohes Gut“, sagte Merkel. Die Probleme der Weltwirtschaft könnten nicht mit Wettläufen um einen möglichst niedrigen Wechselkurs gelöst werden. Abe jedoch beschrieb die jüngsten Aufwertungen des Yen als „spekulative, schnelle Aktionen“. Je nach Bedarf müsse man dann handeln“, sagte er.

Der feste Yen bremst die Exporte des Landes und damit den dynamischsten Teil der japanischen Wirtschaft. Das Trostpflaster von Merkel für Abe: Japan wird 2017 Partnerland der Computermesse CeBIT in Hannover sein.