Tokio (JAPANMARKT/fr) – Japans Premierminister Shinzo gilt als steif und volksfern. Den gegenteiligen Eindruck vermittelt seine Frau Akie. Damit hilft die First Lady dem Regierungschef.

Sichtbare Transformation

Bis zum Aufstieg von Shinzo Abe als Premierminister von Japan im Frühsommer 2006 machte Akie Abe den Eindruck einer braven Hausfrau, die fast unsichtbar im Hintergrund blieb. Seitdem hat sie eine Transformation zu einer öffentlichen Person durchgemacht, mit politischen Ansichten, die sich von ihrem Mann deutlich unterscheiden.

Nach dem frühzeitigen Rücktritt ihres Mannes vom Amt des Regierungschefs im Herbst 2007 beschloss sie, nicht einfach die Ehefrau von Shinzo Abe zu bleiben, sondern sie selbst zu sein. Sie machte bis 2011 einen Master-Abschluss in Social Design Studies an der renommierten Rikkyo-Universität in Tokio und engagierte sich parallel für soziale Gruppen und Themen.

Abweichende Meinungen

Dabei wuchs ihr Selbstbewusstsein so sehr, dass sie während der zweiten Amtszeit ihres Mannes viele Meinungen vertrat, die von seiner Politik abweichen. Sie stellte das Wiederhochfahren der Atomkraftwerke ebenso in Frage wie den Bau von 370 Kilometer Küstenmauern in den Tsunami-Gebieten. Prompt titulierte Abe seine Frau als „Oppositionspartei zu Hause“.

Frau Abe bezweifelt den Segen einer transpazifischen Freihandelszone für Japan, tauchte bei der Schwulen- und Lesbenparade in Tokio auf und bekundete ihre Liebe zu koreanischem TV-Serien und koreanischem Essen. Zugleich unterstützte sie ihren Mann bei Konferenzen für eine stärkere Erwerbstätigkeit von Frauen und leitete eine japanische Frauendelegation in den Iran.

Oberschicht, aber volksnah

Wie ihr Mann Shinzo stammt Akie aus sehr wohlhabenden Verhältnissen. Ihr Vater war Präsident des Familienunternehmens und Schokoladen-Herstellers Morinaga. Shinzo und Abe vertieften ihre durch Vermittlung eingefädelte Freundschaft als junge Twens auf dem Golfplatz. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb sucht Akie bis heute den Kontakt zum einfachen Volk.

Sie betreibt zum Beispiel eine Izakaya im Tokioter Stadtteil Kanda. Dort serviert sie Reis, den sie auf eigenen Feldern in Yamaguchi anbaut, und benutzt Honig von ihren Bienen im Garten des Premierministeramtes. Auf ihrem Facebook-Profil mit fast 90.000 Followern präsentiert sie sich im Bäuerinnen-Look mit Bastsonnenhut. Derzeit sammelt sie Geld für ein Hostel in Yamaguchi für Rucksack-Reisende.

Wenn die Umfragen richtig liegen, wird Shinzo Abe bei der Parlamentswahl am Sonntag von den Wählern gestärkt werden. Das wird seiner Frau Akie noch mehr Zeit geben, ihr eigenes Profil zu schärfen und von der Öffentlichkeit als eigenständige Persönlichkeit wahrgenommen zu werden. Das hilft wiederum der Popularität ihres Mannes.

Foto: Akie Abe (Facebook/akieabe)