Tokio (JAPANMARKT/fr) – Japans Konsumenten sparen wegen der schwachen Lohnentwicklung beim Konsum und zwingen die Einzelhändler dadurch zu Preissenkungen. Damit wächst die Gefahr der Deflation.

Geringes Lohnplus

Der Umsatz im Einzelhandel sank im Mai um 1,9 Prozent zum Vorjahr. Zugleich ging der durchschnittliche Monatslohn um 0,2 Prozent das erste Mal seit elf Monaten zurück. Im April waren die Löhne nur um 0,2 Prozent gestiegen, obwohl dies der Monat für Gehaltserhöhungen ist.

Die frische Zurückhaltung der Konsumenten spiegelt sich in schwachen Ergebnissen der Einzelhändler wider. Der umsatzstärkste Konzern Aeon meldete jetzt das schlechteste Quartal seit acht Jahren. Seven & I Holdings, die Nummer 2, verfehlte die Gewinnerwartungen deutlich. Zuvor hatte der größte Textil-Einzelhändler Fast Retailing mit seiner Flaggschiff-Marke Uniqlo im 2. Quartal einen Rückgang des Betriebsgewinns um 60 Prozent verzeichnet.

„Niedrigst mögliche Preise“

Daraus ziehen die Einzelhandels-Konzerne die Lehre, dass sich die Kunden nur mit niedrigen Preisen zum Einkaufen locken lassen. Uniqlo-Chef Yanai kündigte im Mai die „niedrigst möglichen Preise“ an. Auch Aeon versprach jetzt Preissenkungen. „Unsere Konsumenten werden noch wählerischer“, gestand Seven & I Holdings.

Viele Einzelhändler dürften daher ihre Einsparungen beim Einkauf von Importwaren als Folge des starken Yen schnell an ihre Endkunden weitergeben. Die Geldpolitik der Notenbank, die bisher vergeblich auf ein Inflationsziel von 2 % zielt, wird damit immer mehr zu einer Gratwanderung.

Foto: Aeon-Einkaufszentrum in Murayama (flickr/Dick Thomas Johnson)