Tokio (JAPANMARKT/fr) – Die Nachfrage nach Japanisch-Lernen in Japan ist gestiegen. Doch einige Schulen drohen dem Ruf Japans zu schaden. Daher geht es ihnen jetzt an den Kragen.

Vietnamesen und Nepalesen kommen

Die Zahl der Japanisch-Schulen ist nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Kyodo von 460 im Jahr 2012 auf 549 im Jahr 2015 gestiegen. Ein Grund ist die wachsende Zahl von Ausländern, die zum Japanisch-Lernen nach Japan kommen.

Den größten Teil der rund 200.000 Studenten stellen weiterhin Chinesen, aber die nächst kleineren Gruppen sind 39.000 Vietnamesen und 16.000 Nepalesen. Diese Nationalitäten haben inzwischen Südkorea vom zweiten Platz abgelöst. Der Hauptgrund sind japanische Investitionen in diesen Ländern. Die Lernenden erhoffen sich Jobs bei diesen Firmen, wenn sie Japanisch können.

Das Problem: Die Studenten kommen aus armen Ländern und müssen neben dem Sprachelernen noch Geld verdienen, um ihren Lebensunterhalt und die Schulgebühren zu finanzieren. Sie dürfen offiziell 28 Stunden die Woche arbeiten.

Deckmantel für Arbeitsvermittlung

Diese Gemengelage nutzt eine wachsende Zahl von Institutionen offenbar dazu aus, unter dem Deckmantel einer Sprachschule als Arbeitsvermittlung für diese ausländischen Studenten tätig zu sein – teilweise ohne Rücksicht auf die 28 Stunden.

Eine Schule in Fukuoka wurde dabei ertappt, wie sie den Studenten empfahl, mehrere Bankkonten für ihre verschiedenen Jobs zu eröffnen, damit die Einwanderungsbehörde nicht herausfand, dass sie mehr als 28 Stunden in der Woche arbeiten gingen.

Sprachunterricht nicht reguliert

Für den eigentlichen Sprachunterricht haben diese „Studenten“ dann wenig Zeit und Energie. Jetzt will die Regierung solchen Schulen die Lizenz entziehen. Auch bei anderen Problemen mit dem Sprachunterricht und Schulbetrieb will man schneller einschreiten. Allerdings ist dieses Geschäft nicht reguliert. D.h. es gibt keine besonderen Anforderungen für Eröffnung und Betrieb einer Sprachschule.

Der Hintergrund: In der Regierungszeit der Demokratischen Partei von 2009 bis 2012 war die Selbstorganisation der Sprachschulen aufgelöst worden. Sie hatte versucht, einen Standard für die Schulen durchzusetzen. Seitdem ist diese Aufgabe beim Justizministerium gelandet, das für Einwanderung zuständig ist, aber keine Ahnung von Bildung und Sprachunterricht hat.

Damit versickert eine national bedeutende Aufgabe in den Wirren der japanischen Bürokratie. Denn wenn solche missbrauchten Sprachstudenten in ihre Heimatländer zurückkehren, werden sie wenig Gutes über Japan berichten. Dann macht es schwieriger, Japanisch-Lernwillige zu finden und Gastarbeiter nach Japan zu holen.

Foto: flickr/Stuart Rankin CC BY-NC 2.0