Tokio (JAPANMARKT/fr) – Der US-Finanzinvestor KKR übernimmt für über 4 Milliarden Euro den Zulieferer Calsonic Kansei. Nissan wird seinen Anteil von 41 Prozent KKR anbieten. Dadurch soll Calsonic internationalisiert werden.

Größter Auslands-Buyout

Der US-Finanzinvestor zahlt 498 Miliarden Yen bzw. 4,3 Milliarden Euro. Es ist die größte industrielle Übernahme eines ausländischen Beteiligungsfonds in Japan. KKR hatte bereits den Personaldienstleister Intelligence, Panasonic Healthcare und Pioneer DJ gekauft. Andere Interessenten waren offenbar Bain Capital und MBK Partner. Nissan benutzte die Japan selten angewandte Auktionsmethode für den Verkauf.

Calsonic ist auf verschiedene Autoteile, Elektronik und Klimaanlagen ausgerichtet. Einen Teil der Aktivitäten will KKR vermutlich abtrennen und an andere Industriegruppen in Japan und im Ausland verkaufen. So besitzt Calsonic den größten Anteil an Tokyo Radiator Manufacturing. Das eigentliche Autogeschäft soll neue Kunden gewinnen. Dabei will KKR helfen. Bisher gehen 86 Prozent des Umsatzes auf das Konto von Nissan.

Schwächere Keiretsu-Netzwerke

Der Renault-Partner will durch die Trennung von Calsonic leichter zur Elektromobilität schwenken. Dabei wird Nissan weniger Teile für „klassische“ Motoren brauchen und benötigt daher neue Zulieferer für die Komponenten von Elektroautos. Calsonic wiederum wäre auch für Nissan ein wertvollerer Zulieferer für „klassische“ Komponenten, wenn der Hersteller internationaler und innovativer würde.

Nissan hatte sich seit dem Einstieg von Renault 1999 nur langsam aus seinem Keiretsu-Netzwerk von Zulieferern befreit und die Einkaufsketten internationalisiert. Calsonic gehört zu den Überbleibseln der Zeit, als die Autohersteller ihre jeweils eigenen Zulieferer hatten. Mit der Globalisierung sind diese Bindungen schwächer geworden. Weitere Auflösung droht durch den Übergang zur Elektromobilität.

Foto: Calsonic-Fabrik in den USA (Calsonic)