Tokio (JAPANMARKT/fr) – In Zeiten des Arbeitskräftemangels drohen ausländische Firmen in Japan, ihre japanischen Mitarbeiter wegen interkultureller Probleme in ihren Teams zu verlieren. Die Firmen sollten aktiv gegensteuern, rät Parissa Haghirian, Professorin für Management an der Sophia-Universität in Tokio, im Gespräch mit JAPANMARKT Online.

Kommunikation als Problem

JM Online: Warum ist das Thema „interkulturelle Zusammenarbeit“ so wichtig für ausländische Unternehmen in Japan?

Haghirian: In westlichen Unternehmen in Japan sind interkulturelle Probleme einer der Hauptgründe, warum japanische Mitarbeiter gehen. Diese Verluste verursachen den Firmen sehr hohe Kosten. Viele deutsche Niederlassungen in Japan legen daher größeren Wert auf eine Verbesserung der Zusammenarbeit in deutsch-japanischen Teams.

JM Online: Wo entstehen denn die größten interkulturellen Probleme?

Haghirian: Vor allem bei der Kommunikation der Japaner mit Ausländern in Japan und mit der Zentrale etwa in Deutschland. Der japanische und der deutsche Verhandlungs- und Diskussionsstil unterscheiden sich stark. Die deutsche Direktheit wird von der japanischen Seite oft als unhöflich empfunden; die japanische Höflichkeit und ihre Bedeutung sind für Deutsche oft schwer verständlich.

JM Online: Wie lässt sich die Zusammenarbeit in deutsch-japanischen Teams verbessern?

Haghirian: Das Management muss zeigen, dass man eventuelle Ängste und Konflikte in jedem Fall ernst nimmt. Auch ein Ansprechpartner, der vielleicht auch schon grundlegende Fragen oder Beschwerden rasch bearbeiten kann, könnte gröbere Folgekonflikte vermeiden.

Nachhaltige Lösungen gefragt

JM Online: Was empfehlen Sie an anderen vorbeugenden Maßnahmen?

Haghirian: Eine nachhaltige Lösung sind Lern- und Trainingsprogramme für eine bessere Zusammenarbeit und Kommunikation. Zum Beispiel werden beim sogenannten Blended Approach theoretische Lerneinheiten kombiniert mit gezielten Trainings zu bestimmten Themen und Konfliktpunkten.

JM Online: Wie wichtig sind solche Programme für ausländische Firmen in Japan, um ihre Mitarbeiter zu halten?

Haghirian: Sehr wichtig. An aktuelle und potenzielle Mitarbeiter sendet dies das Signal, dass man sich „kümmert“. Das Thema wird wegen des wachsenden Arbeitskräftemangels ein zunehmend wichtiger Punkt im Employer Branding, Recruiting und der Karriereplanung sein.

Veranstaltungshinweis: Am 30. November (Mi) um 18.30 Uhr hält Prof. Dr. Parissa Haghirian in der Bibliothek der OAG in Tokio einen Vortrag zum Thema „Umgang mit Konfliktpunkten in deutsch-japanischen Teams“. Die Teilnahme ist kostenlos und ohne Anmeldung möglich.